Es ist auf Erden kein schwerer Leiden

Volkslieder » Abschiedslieder

Es ist auf Erden kein schwerer Leiden

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Es ist auf Erden kein schwerer Leiden
Denn wann zwei Herzlieb müssen scheiden
Ja bitter Tod, mit deiner Not
Und ganzen Rott*
Dir kann ich nichts vorgleichen.

Es liegt im Elsaß ein werte Stadt
von der Straße sie ihren Namen hat.
Wenn ich daran gedenk, mein Herz mir kränkt,
Solchs ich dir schenk.
Das untreu scheiden zur Letze.

Ein Jungfrau schön und darzu zart
In dieser Stadt ihr Wohnung hat
Ganz wohl geziert, wie sichs gebührt
Die Kläffer irrt
Ich kann ihr nicht vergessen.

Durch Lieb verwundt, darfs Niemand sagen
Mein Weh und Leid keim Menschen klagen.
Vor Trauern ich oft gerne schwieg
Noch muß ich mich
Ganz frisch und fröhlich stellen.

Ja wenn ich gedenk an viel der Stund
Darin ich küßt ihren roten Mund,
O adelig Zier alleine nach dir
Steht mein Begier
Kein‘ lieber mag mir werden.

Dein Äuglein schwarz, dein gelbweiß Haar
Dein Angesicht so freundlich zwar
Hast mir mein Herz, ich gar nicht scherz
Mit großem Schmerz
In Trauren gebracht aus Freuden

Schöns Lieb beut mir dein schneeweiß Hand
Seh hin, Hab dir mein Treu und Pfand
Vortrau du mir, daß ich will dir
Mit ganzer B’gier
Mein Treu und Glauben schenken

Schöns Lieb, du bist die Werte mein.
Auf dich vortrau ich itz allein.
O edle Ros, in deinen Schoß
Werf ich mein Los,
Solchs mir itz ist gefallen.

Darumb, schöns Lieb, laß dichs erbarmen.
Hab ein Mitleiden mit mir Armen
O treuer Hort, gedenk an dein Wort
Fahr immerfort
Meiner nimmer zu vergessen.

Schöns Lieb, dies Lied sei dir gemacht
Wünsch dir viel tausend guter Nacht
Aus schwerer Pein das Herze mein
Der Liebste allein
Schenk ich dies Liedlein zur Letze.

Und der uns dies Liedlein hat gemacht
Große Lieb hat ihn darzu gebracht
Schon ungenennt, ob man ihn kennt
Ist ein Student
Den Klaffer zu Trotz und Neide.

Mein Herzes-Liebelein ewig ohn Ende
Nimm itz vor gut, was ich dir sende
Obschon die Gab ist gering und klein
Gott weiß, daß ich von Herzen mein.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
*Handschrift hat Rath, das ist sinnlos ; der Reim verlangt Rott, Rotte, Haufe.
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 755)

Text:

  • a) aus der B(?)remschen Liederhandschrift (um 1565 — 1570), aus Magdeburg stammend K. Bibl. Berlin Ms. germ. fol. 753. —
  • b) Ein zweiter wenig jüngerer Text im Ambraser Liederbuch 1852, Nr. N8 hat noch zwei eingeschobene Strophen Zusatz und ist bis auf Str. 2 wenig abweichend. Diese 2. Str. lautet:

Es liegt am Rhein ein werthe Stadt
Cöln sie ihren Namen hat;
Wenn ich gedenk, mein Herz mir kränkt,
Solchs ich dir schenk,
Das untreu Scheiden zur Letze.

 

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1570)

Region: ,

Zweite Melodie zu "Es ist auf Erden kein schwerer Leiden"

Zweite Melodie zu
Melodie bei Praetorius Mus. Sion VII Nr. 189 zu "Ich hab mein Sach..."

Dritte Melodie zu "Es ist auf Erden kein schwerer Leiden"

Dritte Melodie zu
Königs Liederschatz 1738

Anmerkungen zu "Es ist auf Erden kein schwerer Leiden"

Ist Text a) das Abschiedslied eines Studenten von der schönen Straßburgerin, so ist der zweite ein Abschied von der schönen Kölnerin.

Die Melodie dieses Abschiedsliedes wurde zwei geistlichen Liedern geeignet, nach welchen sie in ev. Choralbüchern noch den Namen führt: a) „Ich weiß ein Blümlein hübsch und fein“; b) „Ich Hab mein Sach Gott heimgestellt“. Mehr davon unter geistlichen Liedern.

Ein geistliches Lied 1584 von Rudolf Wonlich (Abdr. WK. V, S. 52) führt die Tonangabe „Im Elsaß liegt ein werthe Stadt,“ (Das ist die 2 Str. unsers Abschiedsliedes.) Der geistliche Text ist Parodie und beginnt;

„Ich weiß mir gar ein werthe Stadt
von Frieden sie den Namen hat
So ich sie nem Hierusalem
Gott angenehm
Auf Erd ist nicht seins Gleichen“

Fl. Bl, „Lied eines Armen wol geplagten Mannes, wie er über sein ungezogenes böses Weib klaget. Im Thon: Es ist aufs Erden kein schwerers Leid.“ (Zusammengedr. mit dem Pfaffenlied: Es hat ein Baur ein schönes Weib.) Abdr. bei Körner Historische Volkslieder Nr. 28».

O Weib, o Weib, das Got sey klagt,
wie sehr bin ich mit dir geplagt!
vor dir Hab ich kein rast noch ruh,
kein rast noch ruh,
in elend bring ich mein leben zu.

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