Ein Buhler muss sich leiden viel

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Ein Buhler muss sich leiden viel

Ein Buhler muß sich leiden viel
des bin ich innen worden
Des Tage streikt er Affenspiel
und führt Kartäuser Orden!
Die ganze Nacht er überbracht
mit Kreischen und mit Singen
in Hagel und Schnee tut er ihm weh
er hofft ihm solls gelingen

Wann er des Morgens früh aufsteht
Tut er sich schnell anlegen
Er wart’t wann sie zur Kirchen geht
Dass er ihr komm entgegen
Wann sie ihn anblickt, sein Herz erschrickt
Ein Wort kann er nicht jehen (sagen)
So grüßt sie ihn und geht vorhin,
Nach ihr tut er umsehen.

So geht er auf und wieder ab,
Das tut sie bald vernehmen
Sein Herz ist ihm der Freuden voll
Wann er heimlich soll kommen
Auf eine Stund, die sie ihm gunnt
Gar schön tät er sich mußen
Er läuft stets um, sucht Rank und Krumm
Mit Gaffen und mit Gucken.

Wann er dann zu der Liebsten kommt
Sein Trauren ist ihm vergangen
Sie spricht: Ihr seid hübsch und gelaß
Mit ihm kann sie wohl prangen
Und liegt ihn an, als sie wohl kann
In Gecken- und Narren-Weise
Er spricht zu ihr: Herzenbegier
Ein Schatz ob allen Weiben!

Ich bin euch, Jungfrau, von Herzen hold
Nicht mehr kann ich gesagen
Wann mir eur Lieb nicht werden sollt
Von Leid müßt ich verzagen
Dann nimmt sie für ein Aventür
Damit dass er geht traben
Macht ihm ein Kranz, die Lieb sei ganz.
Und wart’t auf andre Knaben.

Ach Buhler. du viel armes Tier
Wann willt du Weisheit pflegen?
Sie spricht, sie Hätt kein Gunst zu dir
Darum laß unterwegen
Gelaub mir, du bist zu aller Frist
Ein Märtyrer hie auf Erden
Du machst dir Pein durch Liebe Schein
Da dir kein Lieb mag werden.

Laß ab, laß ab, du armer Gauch
Solch Buhlschaft darfst nicht suchen
Das Feuer lösch; beißt dich der Rauch
Schaff du nichts in der Kuchen
Such anderswo, kein Lieb ist do
Die dir mag widerfahren
Dein Lieb und Gunst ist gar umsunst
Dein Arbeit magst wohl sparem

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 471 „Los des Buhlers“)
aus dem Liederbuch der Herzogin Amalie von Cleve. Handschrift aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Liederthema:
Liederzeit: (1555)

Anmerkungen zu "Ein Buhler muss sich leiden viel"

Abschrift in Frankfurter. Stadtbibliothek Abdruck des Originals im niederrheinischen Dialekt in Zeitschrift f. d. Philologie, XXII, S. 425 durch Dr. J. Bolte. Übertragung hier von Böhme. Eine schlechte hochdeutsche Übertragung in der Berliner Hdschr. von 1568 (Ms. germ., Fol. 752), Nr. 123, daher Bolte die wertlosen Varianten beigesetzt hat. — Die Melodie fand Böhme in v. Triller’s Singbüchlein, 1555, zu einem geistlichen Straflied mit folgendem Anfange, aus dem Böhme sicher schließt, daß sie zu vorstehendem weltlichen Texte gehört. Hier ist der Anfang:

Ein Säufer der muß leiden viel
Und führt des Teufels Orden
Er tut mit solchem Affenspiel
Sein Leben zeitlich morden.
Denn Trank und Quaß über die Maß
Wie du kannst selbst bedenken
Den Leib beschwert, die Sinn verkehrt
Und ganz Geblüt tut kränken…

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