Es fiel ein Himmelstaue (1539)

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Es fiel ein Himmelstaue

Es fiel ein Himmelstaue
vor mein’s Lieb´s Fensterlein
ich weiß keine schönre Fraue
sie steht im Herzen mein
Sie hat mein Herz gefangen
das ist so sehr verwundt
könnt ich ihm Trost erlangen
so wär ich ganz gesund

Der Winter ist vergangen
Ich seh des Maien Schein
Ich seh die Läuber hangen
Und Blumen sprießen fein
In jenem grünen Tale
Da ist gar lieblich sein
Da singt Frau Nachtigalle
Und so manch Vögelein

Ich will den Mai gehn hauen
Vor mein’s Lieb´s Fensterlein
Will schenken meine Treue
Der Allerliebsten mein
Und sagen: Lieb, willst kommen
für dein klein Fenster stahn
Empfang den Mai mit Blumen
Er ist so wohlgetan

Text und Musik: Verfasser unbekannt  –
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 393a „Der Maibaum
Altniederländisches Lied: „Het viel een Hemels douwe“.

siehe auch Der Winter ist vergangen
in Deutsches Lautenlied (1914)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1539)

Anmerkungen zu "Es fiel ein Himmelstaue"

Originaltext im Antwerpner Liederbuch, 1544, daher bei Uhland. Nr. 82; Hoffmann, Nr. 62 und Altd. Ldb. 113, wo der Text 7 Strophen hat. — Die Melodie ist in dem Antwerpner geistl. Gesangbuch von 1539 Nr. 14 dem Liede auf Maria Verkündigung beigesetzt und überschrieben: „Dit is de wise „Het viel eenen coelen douwe, ende gaet ook op die wise van Paep heer aert. oft op de wise van de lodderliken pape“ —

Dieselbe Melodie eine Quinte tiefer und wenig abweichend steht auch in Souterliederkens, 1540, zu Pf. 54 mit der Beischrift: „Wy willen den may entfanghen  met groter erwerdickeyt“

Das Lied war auch in Oberdeutschland vor der Mitte des 16. Jahrh. gekannt, wo man es nach der Melodie: „Herzlich tut mich erfreuen“ (s. oben Nr. 379) sang, wie folgendes Fragment bei Schmeltzel, 1544, Quodl. 8, beweist:

Es fiel ein küler tawe zu einem fenster ein.

Meine Rückübersetzung aus dem Niederländischen ist also begründet. (Böhme)

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