Ein Schlosser hat einen Gesellen gehabt

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Ein Schlosser hat einen Gesellen gehabt

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An Schlosser hot an G´sellen g´hot,
der hot gor langsam g´feilt.
doch wenn´s zum Fresse ´gangen ischt,
do hot er grausam g´eilt.
Der erschte in der Schüssel drin,
der letzt a wieder draus.
Do ischt koa Mensch so fleißig g´west
Als er im ganza Haus.

G´sell, hot amol der Meister gsagt,
hör, dös begreif i net.
Es ischt doch all mei Lebtag gwest,
so lang i denk, die Red:
so wie man frißt, so schafft ma au,
bei Dir ischt´s aber su:
So langsam hot no keiner gfeilt,
un g´fresse so wie du!

Ho, sagt der G´sell, dös b´greif i scho
s hot alls sein guta Grund
Das Fresse währt halt gar net lang
und d Arbeit vierzehn Stund
Wenn aner sollt da ganze Tag
in an´m Stück fresse fort,
s würd‘ au gar bald so langsam gehn,
als wie beim Feila dort. 

Text: nach Johann Konrad Grübel (1800) –
Musik: nach der Melodie von K. G. Reißiger (1824)

Anmerkungen zu "Ein Schlosser hat einen Gesellen gehabt"

Das Gedicht von Joh. Konrad Grübel in seinen Gedichten in Nürnberger Mundart, Nürnberg, 1800, 2. Bändchen S. 624. Die Melodie von Reißiger op 14 Nr 1 um 1824 komponiert, aus ihr entstand die bestehende Volksweise, hier nach nach Erk Volkslieder I 1 ,Nr 48 und Finks Hausschatz.

Böhme kommentiert in „Volkstümliche Lieder der Deutschen“ (1895): „Wer kann heutzutage noch so etwas anhören oder singen? Und wer könnte noch lachen über den rüpelhaft groben Gesellenwitz, den diese Verse vorbringen? Unsere Geschmacksbildung ist doch seit 100 Jahren fortgeschritten. Als Beleg dafür, was sonst die Leute unterhielt, gebe ich das Stück. Arbeiter wissen heute sich auf andere Weise zu helfen, wenn die Arbeit ihnen zu lang (14 Stunden) dauert.“

"Ein Schlosser hat einen Gesellen gehabt" in diesen Liederbüchern

u.a. in Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen (1843) –   Liederbuch des Handwerker-Vereins zu Potsdam (1859) — Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895) — Liederbuch deutschnationaler Kaufmannsgehilfen (1897) — Alte und Neue Lieder (ca, 1910, erstes Heft) — Gesellenfreud (1913) — Berg frei (1919) –

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