Dort ferne vor jenem Walde

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Dort ferne vor jenem Walde
Sah ich mir ein Hirschlein stan
Tat sich bedenken gar balde
Wo es sein Nahrung möcht han
Es lief schnell über ein Brücken
Ob es ihm möcht gelücken
Ob es möcht finden sein Speis
Sucht das Hirschlein mit großem Fleiß

Was begegnet ihm auf dem Wege?
Ein Fälklein war wohlgetan
Wohl auf demselbigen Steige
Trat es zu ihm Hindan
Tät ihm alsbald gefallen
Liebt ihm ob den andern allen
Gott grüß dich, Falklein fein
Wie stehst du hier allein?

Zart Falklein auserkoren
Ich bitt, vergiß nit mein!
Mein’n Dienst hab ich dir geschworen
Dein eigen will ich sein
Mit mir hast du zu schaffen
In nichten will ich dich strafen
Ich will dir dienen zu aller Zeit
Mit Dienst bin ich dir ganz bereit

Der Jager mit dem Hunde,
Wenn der allein nit wär
Schafft Alls der Klaffer Munde
Kein Weg wär mir zu ferr
Zu dir da wollt ich kummen
Du Zarte, du Schöne, du Frumme
Ich wollt dir dienen nach all deinen Ehr’n
Was dein jungs Herze tät begehrn

Ich bitt dich inniglichen
Meins Herzen in Stetigkeit
Du wollest dich sauberlichen
Bewahren zu aller Zeit
Dein Zucht und deine Ehre
Daß sie dir nit werd versehret
Darauf sei ganz vollbedacht
Alde, zu tausend guter Nacht

Die Jungfrau stund an der Zinnen
Sie sah zum Fenster aus
In rechter Lieb und Treue
Warf sie ein Kränzlein raus —
Von Feiel und auch von Rosen
Von Feiel und grünem Klee
Soll ich dich Feinslieb meiden
Meim Herzen geschicht groß Weh

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1652 „Liebesfund im grünen Walde“, ohne Melodie)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1547)



Anmerkungen zu "Dort ferne vor jenem Walde"

Bildliches Jägerlied. Heidelberger Handschrift 343, Bl. 21. Bis auf einige Silben gleich im fliegenden Blatt: „Drey newe Lieder“ (das 2.) Nürnberg, Valentin Newber (1550— 70). Mit geändertem Anfang im Ambraser Liederbuch 1582, Nr. 64: „Ich sah mir für einem Walde ein feines Hirschlein stan“, die Überschrift: Im Ton: „Dort fern vor jenem Walde“. Damit ist auf eine ältere Ausgabe desselben Liedes verwiesen. Fliegendes Blatt Nürnberg, Val. Newber (s. Uhland 4, S. 53). Aus den Bergreihen II. Th. Nürnberg 1547, bei Büsching – Hagen, Volkslieder S. 162. Abdruck Erlach 3, 128 abweichend: „Ich sah mir vor jenem Walde“ bloß 4 Str. (es fehlen 2. und 6.) Druck um 1560. Augsburg, Matthias Franck: „Zwei schöne newe Lieder. Das Erst, Ich sach mir vor einem Walde ein feines Hirschlein stan. — Das Ander: Entlaubt ist uns der Walde etc In einem hohen ton zu singen.“ (Maltzahn, Bücherschatz Nr. 530. Dies fliegende Blatt hat einen Holzschnitt: Ein Mann umarmt im Walde eine Jungfrau, auf deren Schoß ein Hirsch die Vorderfüßc setzt. Dieser Druck hat 6 Str. Ebenso fliegendes Blatt : „Ein schön new Lied, Ich sach mir vor einem Walde“. Nürnberg, Friedr. Gutknecht (1550 — 80). Das Lied ist ein „Hofelied“, nicht volkstümlich. Die Singweise dazu war vermutlich: „Entlaubt ist uns der Walde“. Die 6. Strophe, die offenbar nicht hierher gehört, hat Uhland dem Liede: „Wohlauf, gut Gsell von hinnen“ zugefügt. (Alle Angaben: Böhme)