Bremer Stadtmusikanten

Die Herren treiben´s gar zu toll (Weberlied)

Übersetzung:
In dem Gebirge, o, da geht´s
Mich muß es auch wundern immer noch
Mit den Fabriken,o, da stinkt´s
Und tut sich machen wieder doch.

Wenn’s auch in einem Triebe wär
Daß man wüßte wie und wenn
Die Leute haben halt keine Ehre
Die nicht bezahlen können

Die Weberei geht ja gar so schlecht
Sie geben ja fast keinen Schuß dazu
Die Ware muß sein gerade recht
Und wird auch immer weniger Lohn

Wir können es nicht mehr aushalten
Wenn es nicht bald besser geht
Die Herren tun’s nehmen, bei uns tut’s fehlen
Wir haben uns denn auch doch bemüht

Zirklas, Lasting und Merine
O, da gibt es tausend viel (?)
Hosenstoffe und Schaline
Mögen sie keinen mehr in der Stadt

Hosen, Nusse und Westenflecke
O, deren gibt es viele Tausende
Ein jeder Junge hat ein Fleckel
Es ist am besten, ich bin still

Meiner Seel, wie es früher war
Meinetwegen vor einem halben Jahr
Die Weber kriegten ihn immer gar
Wenn sie ihn brauchten, den Lohn vorher

Jetzt möchte‘ man auf die Knie fallen
Wenn man sich’s verdient hat
Sie haben’s in den verfluchten Krallen
Um das Herausgeben hat’s gar große Not

Statt Schlichte möchte man Kaffee nehmen
Wenn man gut bestehen wollte
Ich schwör es beim Vater Abraham
Die Herren, die werden noch kleine werden

Auf die Ware möchte man Zucker streuen
Damit sie ihnen auch gefallen tut
Sie werden einem noch den Hals umdrehen
Gott sei’s gedankt, danach ist’s gut

Konkurriert wird immerfort
Und leben noch recht lustig dabei
Da heißt es danach :Er hat falliert
Dann stellen sie das Zahlen ein

Unsereinen wollen sie fressen
Wenn man nicht bezahlen kann
Das Bröckel Feld wird abgemessen
Und das Häusel angeschlagen

Ich sag’s halt und bleib dabei
Die ganze Welt ist verkehrt
Der Reiche ist groß, der Arme klein
Dann wird der Schlag vollends zugemacht

Parade wird genug gemacht
Wenn man’s auch noch sagen möchte
Der Arme wird auch ausgelacht
Da heißt’s, für den ist es gerade recht

Die Herren, die treiben’s gar zu toll
Wenn sie in ein Wirtshaus kommen
Da saufen sie sich den Ranzen voll
Für den verdienten Weberlohn

Zylinder, Uhren, große Ringe
Haben sie Taschen und Finger voll
Und über solchen Teufelsdingen
Hängt den Webern der Magen hohl

Die Weiber möchten gar zu gern
Möchten ein bissl örtlich (fein) tun
Da heißt’s danach, du Alter komm
Und lehre mich’s Ausländischtun !

Es könnt‘ sich doch noch einmal treffen
Daß wir’s brauchen, man weiß ja nicht
Und wenn sie’s können, wie rasen sie
Und, oh verflucht, wie stolpern sie

Da soll man auch ein Wunder sehen
Wenn man in die Kirche geht
Es war zu Pfingsten, es war ein Regen
Da blieb ich in der Halle stehen

Die Menscher (Mädchen) machten große Augen
Sonnenschirme in der Hand
Und es war erlogen, sie waren erst schon(?) schwarz
Die Sonne hatte sie nicht verbrannt

Ich will auch nun mein Lied beschließen
Es könnte mir nur beschissen gehen
Ihr braucht von mir zwar nichts zu wissen
Ich würd‘ Euch auch wohl nichts gestehen

Wenn mich die Kerle alleine kriegen
Da schlagen sie mir den Buckel voll
Ich sag‘ es halt und wird’s nicht lügen
Mancher fette Herr ist toll.

Originaltext:

Ei dan Gebirge ou dou giehts
Mich muß’s og wundern ömmr noch
Mit dan Fabrikn ou dou stinkts
Und’s tut sich machen wieder doch

Wenn’s og ei an triebe wär
Doß mrsch wößte wie und wenn
Die Leute hon halt kejne Ihre
Die de ne bezohln könn!

Die Wabrei gieht jo gor su schlacht
Sie gan jo fost kann Schuß drzu
Die Wore muß sein grode rajcht
Und wird ach ömmer winnger Luhn

Mr wössens nemie auszuhaln
Wenns ne bale bessr gieht
Die Herrn tun’s nahm’n bei uns tuts fahln
Mr henn sich denn doch o bemüht

Zirklas, Lasting und Merine
Ou, dou houts’n tausend sot!
Housnstoffe und Schaline
Miegn se kenn mie ei dr Stodt

Housn, Nusse, on Westeflajkl
Ou, dou houts’n tausend viel!
A jedr Jonge hout a Fleckl
’s ös an bestn, ich bin still

Meiner Seel, wie’s früher wor
Meinetwajgn vr an holbn Johr
Die Wabr kriechtn’s ömmer goar
Wenn sö’s brauchtn – ’s Luhn zuvour

Ötz möchte mr off die Kniee folln
Wenn mr sich’s verdienet hout
Sie hons ei dan verfluchte Krolln
Öms Rausgan houts gor gruße Nut

Stöts Schlöchte möchte mr Kaffej nahm
Wenn mr wollte gut bestiehn
Ich schwürsch ban Voter Abraham
Die Herrn, die warn noch klejne giehn!

Öff do Wore möchte mir Zockr strejn
Doß’n og gefolln tutt
Sö warn enn noch’n Hols emdrehn
Gott sei’s gedankt!Dr nou ös gutt.

Gekonkurriert wird ömmer fort
Und labn noch rajcht lustch drbei
Dou hejßt’s drnou: a hout falliert
Dou stelln se dos Zohln ei

Unser enn wolln se frassn
Wenn mr ne bezohln kon
Dos Bröckl Fald wird obgemassn
Und dos Häusel ogeschlon

Ich so’s euch halt und bleibr drbei
Dö ganze Walt ös ümgekohrt
Dr Reiche ös gruß, der Orme klejn
Dann wir der Schlag volld zugemacht

Parade wird genung gemacht
Wenn mrsch og noch so(g)n möchte
Der Arme wird og ausgelacht
Dou hejßt’s : off dan ös grode rajcht

Die Herrn, die treibens gor zu toull
Wenn se ei a wirtshaus kumm
Dou saufn se sich’n Ranzn voull
Für dan verdientn Waberschluhn

Zylindr; Uhrn, gruße Ringe
Hon se Toschn und Finger voull
Und über söttn Teuflsdingn
N‘ Wabrn hängt dr Magen houhl

Die Weibr möchte’n gor zu garn
Möchtn a Bößl ortlich tun
Dou heißt’s drnou: Du Ahler kumm!
Und larne michs Ausländischtun

S‘ könnt sich doch noch ejmao traffn
Doß mrsch braucht, mr weiß jo ne
Und wenn sös könn’n, wie rosen se
Und ou verflucht, wie stolpern se

Dou solln mr og a Wundr sahn
Wenn mr ei de Kerche gieht
S‘ wor ou Pföngstn, s‘ wor a Ra(g)n
Dou blieb ich ei dr Holle stiehn

Dö Menschr machtn gruße Augn
Sunneschirm ei dr Hand
Unds wor drlougn, so worn örschtn schworz
Dö Sunne hott se ne vrbrannt

Ich will og nu mei Lied beschlissn
S‘ könnt mr og beschössn giehn
Ihr braucht vu mr zwor nischt zu wössn
Ich wör euch wull ou nischt gestiehn

Wenn mich die Karle allejne kriegn
Dou schloin se mr’n Puckl voull
Ich so’s halt und warsch ne lügn
Moichr fette Herr ös toull

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Steinitz , I, S.246,
Deutsche Arbeit 9, 1909-1910, S. 376, Morchenstern, Isergebirge, Vorsänger Sylvester Fischer

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Liederthema: Arbeiterlieder | Weberlieder
Liederzeit: , (1850)
Schlagwort: | |
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