Der Mai ist gekommen (Berner Mailied)

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Der Mai ist gekommen (Berner Mailied)

Der Meye-n-isch komme-n-, u das isch ja wahr!
es gruenet jitz Alles i Laub u-n-i Gras
I Laub u-n–i Gras sy der Blüestli so viel
drum tanzet do Mareyeli im Seitespiel
Nu tanz, nu tanz, Mareyeli, tanz
du hesch es gewunne: –n-e Rosechranz

Mir haue der Meye, mir thüe-ne i ds Thau
mir singes dem Bure syr fründliche Frau
Der fründliche Frau, u dem ehrliche Ma
der üs e so rychlich belohne cha
Die Büri isch laub, u st git is so gern
schön Oepfel u Bire mit brunem Chern

Get use, get use viel Eier u Geld!
so chönne mir wyters, und zieh über Feld
Get use–n-, ihr Lüt, get is Anke-n-u Mehl
die Chüechli sy hür no bas als fern
E Chetti vo Gold wol z rings um ds Hūs
U jitze-n-isch üses schön Meyelied us

Dank.

Gott dank ech, Gott dank ech, ihr fründliche Lüt!
Gott helf ech, Gott helf ech i ds himmlischi Rych!
Im Himmel da isch wol e guldige Tisch
da sitze die Engel gesund u frisch
Im Himmel da isch e guldige Thron
Gott gebi euch Alle der ewigi Lohn!

Text und Musik: Verfasser unbekannt
siehe auch die Übersetzung ins Hochdeutsche

„Dieses Liedchen wird am ersten Mai von geputzten Kindern vor den Häusern gesungen. Sie halten dabei ein Bäumchen in der Hand, geschmückt mit bunten Bändern und ausgeblasenen Eiern. Freudenberger hat diese ländliche Scene in einem seiner kleinern Blätter sehr lieblich dargestellt. Schade darum, wenn diese Sitte in unserm Lande untergehen sollte!“ (Erk) (–>> heischen)

in: Deutscher Liederhort I (1856, Nr. 180) — Macht auf das Tor (1905)

Geschichte dieses Liedes:


Liederthema: ,
Liederzeit: (1812)
Schlagwort: |
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Anmerkungen zu "Der Mai ist gekommen (Berner Mailied)"

Zum Text:

  • 1. I, im. sy, sind. Blüestli, Dimin. von Bluest, kleine Blüthen. hesch, hast, –
  • 2. mir, wir. der, den. Meye, der Mai, die Maie, frisch ausgeschlagener Birkenzweig. syr, seiner. Büri, Bäurin. laub, sanft, mild, lieb. git is, giebt uns. –
  • 3. get use, gebt heraus. wyters, weiter. Anke, Butter. Chüechli, Küchlein, kleine in Butter gebackene Kuchen. hür, heuer, dieses Jahr. no bas als fern, noch besser als voriges Jahr. üses, unser. –
  • 4. ech, euch.

Kurzfassung und  längere Fassung dieses Mailiedes:
(beide in Macht auf das Tor, 1905)

Der Meie-n-isch komme-n-und das isch wahr
Es gruenet hür alles i Loub und i Gras
I Loub und i Gras sy dere Blüestli so vil
Drum tanzet ds Mareili im Seitespil
Drum tanz, drum tanz, Mareili tanz
Du hesch gewunne-n-e Rosechranz
E rote-n Öpfel mit eme schwarzbrune Chärn
Di Vüri isch hübsch, si git is gar gärn

Nach erhaltener Gabe:

Gott dank ech, Gott dank ech, ihr Burelüt
Gott half ech, Gott half ech i ds Himelrych
Im Himel, im Himel isch e guldige Tisch
Dort sitze di Angel so gsund und so früsch
Im Himel, im Himel isch e guldige Thron
Gott gab ech, Gott gab ech der ewige Lohn
E sydige Fade wohl um das Hus
Und jetz und jetz isch ds Meilied us

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Mir haue der Mey, mir thüe-´ne ins Thau
Mir singe´s dem Vuure syr fründliche Frau
Der fründliche Frau und dem ehrliche Ma
Der üs e so richlich belohne cha
Die Büüri isch laub (lieb), u si git is so gern
Schön öpfel u Bire mit brunem Chern

Get use, get use viel Eier u Geld
So chönne mir wyters u zieh über Feld
Oet use-´ne, ihr Lüt, get is Anko-n-u Mehl
Die Chüechli si hüür no bas als fern
E Chetti ao Gold wohl z´rings um das Huus
U jitze-n-isch üses schön Meyelied us.

Nach erhaltener Gabe:

Gott dank ech, Gott dank ech, ihr fründliche Lüt!
Gott helf ech, Gott helf ech i das himmlischi Rich!
Im Himmel da isch wohl e guldige Tisch
Da sitze die Engel gesund u frisch
Im Himmel da isch e guldige Thron
Gott gebi euch alle der ewige Lohn

"Der Mai ist gekommen (Berner Mailied)" in diesen Liederbüchern

(G. J. Kuhn, „Sammlung von Schweizer-Kühreihen und alten Volksliedern etc. 2. Ausg. Bern, 1812.“ S. 42. – J. R. Wyß, „Texte zu der Sammlung von Schweizer-Kühreihen und Volksliedern.“ 4. Ausg. S. 69. – Vgl. A. Stöber, „Elsässisches Volksbüchlein. Straßburg, 1842.“ S. 56. – Erk, Volkslieder. B. I, H. 3, S. 68, Nr. 72.)

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