Das Kanapee ist mein Vergnügen

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Das Kanapee ist mein Vergnügen

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Das Kanapee ist mein Vergnügen
Drauf ich mir was zugute tu
Da kann ich recht bequeme liegen
In meiner ausgestreckten Ruh
Tut mir’s in allen Gliedern weh,
So leg ich mich aufs Kanapee

Wenn mir vor Sorgen und Gedanken
Der Kopf wie eine Drehe geht,
Ja, wenn mein Herz beginnt zu schwanken
Als wie ein Schiff, wenn Sturm entsteht,
Wenn Wind und Wellen in der See,
So leg ich mich aufs Kanapee.

Ich mag so gerne Koffee trinken.
Fürwahr, man kann mich mit dem Trank
Auf eine halbe Meile winken,
Und ohne Koffee bin ich krank;
Doch schmecket mir Koffee und Tee
Am besten auf dem Kanapee.

Ein Pfeifchen Knaster ist mein Leben,
Dies ist mein fünftes Element,
Das kann der Zunge Kühlung geben,
Wenn auch die Sonne heftig brennt;
Ich rauche, wo ich geh und steh,
Auch liegend auf dem Kanapee.

Wenn ich mich in die Länge strecke,
So setzt mein Schätzchen sich zu mir
Und hält mir anstatt einer Decke
Ein lilienweißes Kisschen für;
Das kitzelt in der großen Zeh
Auf meinem lieben Kanapee.

Wenn mir bei heißen Sommertagen
Die Betten zu beschwerlich sind,
Muß mir mein Kanapee behagen,
Allwo ich kühle Ruhe find;
Da beißen mich auch keine Flöh
Auf meinem lieben Kanapee.

Gesetzt, ich werde auch malade,
Dass ich ein Patiente bin,
In Schwach- und Krankheit ich gerate,
Rekolligieret sich mein Sinn,
Das letzte schmerzliche Adieu
Zu sagen auf dem Kanapee.

Soll ich auf diesem Lager sterben,
So halt ich wie ein Lämmchen still;
Ich weiß, mein Geist kann nicht verderben,
Er spricht: Herr, es gescheh dein Will
Die Seele schwingt sich in die Höh
Der Leib liegt auf dem Kanapee

Text: Verfasser unbekannt (seit etwa 1740)
Musik: Komponist unbekannt. Mündlich aus Thüringen und Weißenfels (1840-50)
Die obige Fassung steht in „Liebesrosen, worinnen viele neue Liebes Arien und angenehme weltliche Lieder zu finden, welche ohne Ärgernis können gesungen werden“ (1747)

Andere Variante der letzten Strophe:
(nach Hoffmann von Fallersleben „ältere Quelle“ als hier,
in: Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895)

Wie wollt ich meine Ruhe haben
Die Missgunst aber ist so groß
Man wird mich andern gleich begraben
Mein Leib fault in der Erde Schoß
Wiewohl das tut mir gar nicht weh
Der Geist schwebt um das Kanapee

In dieser Gestalt von 8 Strophen, aber mit allerhand Varianten und zugefügten Zweideutigkeiten, wozu die 5. Strophe oben vorbildlich „Wenn ich mich in die Länge strecke / so setzt mein Schätzchen sich zu mir“, wurde dann das Lied durch fliegende Blätter besonders von 1800-1840 und durch Volksmund weiterverbreitet. In einer um 1873 aufgetauchten süßlichen Umbildung „Will mich einmal ein guter Freund besuchen“ hat sich das Kanapeelied bis zur Gegenwart erhalten.

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1740)
Schlagwort: |
Region: ,

Zweite Melodie zu "Das Kanapee ist mein Vergnügen"

Zweite Melodie zu
Diese zweite Melodie, die durch kecke Sprünge auffällt, hörte Erk 1852 von einem gewesenen brandenburgischen Dorfschulzen singen.

Anmerkungen zu "Das Kanapee ist mein Vergnügen"

Das Lied vom Kanapee (Canape) ist seit 1740 mündlich, auf Fliegenden Blättern und in Abschriften verbreitet und ist wohl vorher schon entstanden. Die obige Fassung steht in „Liebesrosen, worinnen viele neue Liebes Arien und angenehme weltliche Lieder zu finden, welche ohne Ärgernis können gesungen werden“ (1747). So dann auch in „Als der Großvater die Großmutter nahm“ (1885) – auch in Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895)

Zum Text

Die älteste Quelle (Stand 1895, Böhme, Nr. 710a) aus einer Handschrift vom Jahr 1740 der Phil. Nathusiius’schen Bibliothek mit dem Titel „Das in der Einsamkeit singende Frauenzimmer“ M. Dic. XL. Abschrift fand in Erk’s handschriftlichem Nachlasse. In Zeile 4.4 fehlt der Reim; später und jedenfalls schon früher hieß sie: „und sprach Herr: es gescheh dein Will!“  Diese älteste Fassung enthält die Strophen 1. – 3. und die letzte mit diesen Änderungen:

  • 1.3 Drauf kann ich recht vergnüget liegen / In meiner allzu sanften Ruh
  • 2.3 Gesetzt, das Herz fing an zu wanken / Als wie ein Schiff, wenn Sturm entsteht / bei Wind und Wellen auf der See …
  • 3.2 gewiss, man kann mir mit dem Trank
  • 3.5 Doch schmecken mir …
  • 4.2 So lieg ich ganz gelassen still / gewiss, mein Geist wird nicht verderben / gescheh dein Will
    Die Seele schwingt sich in die Höh
    Der Leib liegt auf dem Kanapee

Einen weiteren Text nach einem fliegenden Blatt vor 1750 in von Meusebachs Sammlung „Acht schöne weltliche Lieder, das 6. Gedruckt in diesem Jahr“ bringt einen Zuwachs, die vierte „Tabakstrophe“ ist hinzugekommen. Weil man im 18. Jahrhundert sagte „Tabak trinken“ statt „rauchen“ so wird hier in 4.2 „blauer Saft“ = „Rauch“ gesetzt. Weitere Abweichungen in dieser Fassung:

  • 1.3 da kann ich recht vergnüget … in einer ausgestreckten … wenn mir tun alle Glieder weh …
  • 2.1 Wann mir vor … wie ein Triller …
  • 2.3 gesetzt das Herz fing an zu wanken / als wie ein Schiff, wenn’s Stürmen geht / bei den Windwellen auf der See / da leg ich mich …
  • 3.1 Ich tu auch gerne Coffee trinken / und wenn man mir mit diesem Trank / auf eine deutsche Meil wird  winken / denn ohne …
  • 4.1 Ein Pfeifchen Tobak ist mein Leben / denn dieser blaue Himmelssaft / kann meinem Leib ein Nahrung  geben / doch meinem Herzen noch mehr Kraft / den rauch ich …
  • 5.2 … bin ich wie ein Lämmchen still / gewiss, mein Leib wird nicht verderben / gedenk: „O Herr gescheh dein Will … bleibt auf dem Kanapee

Zur Melodie:

Böhme schreibt: Die älteste Melodie zum Kanapeeliede war gleich mit der des jüngeren, erst 1745 gedruckten, Krambambuliliedes (Nr 682). Nach dieser Weise hörte ich es von alten Leuten bis 1850 singen. Eine alte Aufzeichnung der Melodie hat sich nicht gefunden, die älteste steht in Methfessels Commersbuche 1818 zum Krambambulitexte, ist aber keine gute Lesart. Besser ist die im Volksmund erhaltene, wie ich sie aus Thüringen nach eigener Erinnerung 1840 mitteile. Aus Weißenfels hatte Erk 1850 dieselbe Melodie bis auf ein paar abweichende Noten zu folgendem Texte:

Das Kanapee ist mein Vergnügen
Da mag ich sitzen oder liegen
Da bin ich wo ich geh und steh
am liebsten auf dem Kanapee
tut mir kein Glied am Körper weh
am liebsten auf dem Kanapee

Den Anfang des alten Kanapeeliedes fand Erk sogar als Tonangabe in einem geistlichen Liederbuch (1757) mit folgenden Titel „Geistliche Lieder und Gesänge“,  aufgesetzt von Franz Siegfried Gottlieb Fischer Pastor jun zu Oesselse und Ingelheim, Hildesheim 1757. Darin steht über einem Liede von Erhaltung der Kirche Nr 29 Mel. Das Kanapee ist mein Vergnügen oder Wer nur den lieben Gott lässt walten. Dergl. Absonderlichkeiten hat Fischer’s  Buch noch andere, so z B ist zum 12. Liede angeführt als Melodie „Was helfen mir tausend Dukaten, wenn sie versoffen sind“ oder „Befiehl du deine Wege“ oder „Von Gott will nicht lassen“.

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