Wo treff ich meinen Schäfer an (Schäferspiel) (1897)

Ein Vorläufer des "Flaschen drehen"

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Wo treff ich meinen Schäfer an
wo werd ich ihn wohl finden
der mir mein Herz vergnügen kann
und sich mit mir verbinden
Wo soll ich ihn erwischen
unter den grünen Büschen
wo soll ich ihn finden
unter einer Linden

Schäfer er bleibt stille stehn
mich deucht, ich sollt ihn kennen
warum will er von mir gehn
und sich von mir trennen
Ich will mich zu ihm wenden
fassen sein schneeweißen Hände
Er wird tun desgleichen
mir ein Küßchen reichen

Bun tanzt all und freuet euch
ihr Schäfer in dem Reihen
Tut es alle mit mir gleich
und tat euch all erfreuen
Jetzo sind die Freudenstunden
wo ich meinen Schäfer funden
jetzo ist Freud und Lachen
wir wollen Hochzeit machen

bei Frischbier , 864 – nach Deutsches Kinderlied und Kinderspiel (1893, laut Böhme “ ein Schäferspiel von Erwachsenen, das vor hundert Jahren in ganz Deutschland beliebt und bis zum Jahre 1850 an manchen Orten in Preußen und Westfalen noch gespielt wurde“) – von Kindern auf verschiedene Weise nachgespielt

 

Liederthema: ,
Liederzeit: (1897)
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Anmerkungen zu "Wo treff ich meinen Schäfer an (Schäferspiel)"

Andere Fassung:

Wo treff ich meinen Schäfer an
Wo soll ich ihn denn finden?
Allwo ich mein Vergnügen han
Und mich mit ihm verbinde

Wo soll ich ihn denn suchen?
Unter weißen Buchen
Unter einer Linden
werd ich ihn wohl finden

O Schäfersmann, bleib stille stahn
Ich gedacht, ich sollt‘ ihn kennen
Warum will er denn von mir gahn
Und sich von mir abtrennen?

Doch will ich mich zu ihm wenden
Fassen die schneeweißen Hände
Unter dieses gleichen ?
Einen Kuß zu reichen.

So tanzet nun und folget mir
Dem Schäfer aller Freuden
Weil wir hier zusammen sein
Und unsre Schäfchen weiden.

Jetzt in den vergnügten Stunden
Hab ich meinen Schatz gefunden
Klatschet in die Hände
Saget nun ein Ende!

„Noch jetzt [1890] wird zu Dassel in Westfalen von Burschen und Mädchen auf dem Ziegenanger, wo ehemals der Osterball geschlagen wurde, der Schäferreigen getanzt. Ein Bursche und ein Mädchen treten in den Kreis, die übrigen umtanzen dieselben, indem sie obiges Liedchen singen“

Kuhn, Westfälische Sagen II. 148
Der Sprache nach ist dieser Text nicht alt, wohl erst Ende des 17. Jahrhunderts entstanden
in Deutscher Liederhort II (1895, Nr. 971)

Eine weitere Lesart in Wolfs Zeitschrift für Mythologie III, 444:

Wo treff ich meinen Schäfer an
Wo werd ich ihn denn finden
Dem ich mein Herz ergeben kann?
Unter jener Linden
Unter den Gebüschen
Da werd ich ihn erwischen

Ach Schäfer bleibe stille stehn
ich dächt ich sollt dich kennen!
Und warum willst du von mir gehn.
Und dich nicht Schäfer nennen?
Tun uns einander wenden
(Hier stellen sich beide mit dem Rücken gegeneinander)
Fasten sich an beiden Händen.

Und wir tun desgleichen
Uns ein Küßchen reichen
(Sie küssen sich)
Das sind ja die frohen Stunden
Daß ich Hab meinen Schatz gefunden
Wollen nun mit Lachen
Unsere Hochzeit machen!

Dritte Lesart.

Ich suche meine Schäferin
Wo werd ich sie wohl finden?
Wohl unter jenem grünen Baum
Wohl unter jener Linden.
Frau Schäferin wird sich neigen
Und mir ein Küßchen reichen!

In der Mitte des Kreises steht ein Kind (die Schäferin), die sich am Schluß des Gesangs vor Einem neigt, das dann eintritt. (Liederbuch d. d. Volks. Lpz. 1843, Nr. 52.) Alle in Deutscher Liederhort II (1895, Nr. 971)

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