Schönstes Kind zu deinen Füßen

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Schönstes Kind zu deinen Füßen

Schönstes Kind zu deinen Füßen
lieg ich hier wein bitterlich
Sollt ich dich verlassen müssen
wärs die größte Pein für mich
Lieber wollt ich den Schluß fassen
und mein jung frisch Leben lassen
als von dir entfernt zu sein
wär für mich die größte Pein

Gold und Silber Meerkorallen
Reichtum Schätz und Edelstein
tut mir nichts so wohl gefallen
als du Schönste nur allein
Die Leut reden was sie wollen
du allein bist auserkoren
fällt mir nichts ins Herz hinein
als du Schönste nur allein

Nachts wenn ich die Ruh erwähle
und ins Ruhbett schlafen geh
tu ich mir im Traum vorstellen
dein liebreiches Contrefait
wie du redest wie du lachest
eine süße Miene machest
ich stell mir im Traume für
als wenn du hier schliefst bei mir

Alles was ich red und denke
Alles Alles ist von dir
wo ich nur mein Aug hinlenke
stellt sich mir dein Bildniß für
ist kein Künstler auf der Erden
kann auch nicht gefunden werden
der dich schöner malet ab
als ich dich im Herzen hab

Schönster Schatz willst daß ich lebe
sag zuvor du liebst mich noch
oder willst den Abschied geben
dieses Wort entsetzt mich hoch
Lieben mußt du oder hassen
Eins von beiden mußt du lassen
schönster Schatz ich stell dirs frei
haß mich oder bleib getreu

Text und Musik: Verfasser unbekannt – vielfach mündlich und nach fliegenden Blättern des 18. Jahrhunderts (1750-1800) – auch bei F. D. Gräter Bragur II Band, Leipzig 1792 S 219 –  und Büsching und von der Hagen : Sammlung deutscher Volkslieder Berlin 1807, S.26
in Deutscher Liederhort (1856. Nr. 96 „Sehnsucht nach Liebe“) und Liederhort II (1893, Nr. 504 „Zu ihren Füßen“)
auf diese Melodie auch „Keine Rose ohne Dornen

Anmerkungen zu "Schönstes Kind zu deinen Füßen"

Varianten im Text:

  • 1.3: Wenn ich dich verlassen müßte —
  • 1,7: denn von dir getrennt zu sein —
  • 2,6:  du allein hast es sein sollen —
  • 5,8: haß mich oder bleib mir treu

Vielfach mündlich und nach fliegenden Blättern um 1750—1800. Text auch gedruckt bei F. D. Gräter, Bragur II, Lpz. 1792, S. 219 und III, 1794. S. 203. Mit Melodie bei Büsching und von der Hagen. Volkslieder 1807, S. 26 Nr. IS. Dabei auch bei Erk. Liederhort Nr. 96. Morgenblatt 1809 Nr. 113. Ausbund schöner weltlicher Lieder, Reutlingen 1810. (Ein bewegliches Liebeslied.) Erlach 2. 18. Kr. I, 548. Erl I, 5. 6. Ditfurth II, Nr. 119. Melodie wenig abweichend.) In neuerer Zeit wird das Lied nicht mehr gesungen und war wohl nie eigentliches Volkslied, sondern nur in gebildeten Kreisen heimisch.

Auf einem fliegenden Blatt 1793 wird es einem Juden in den Mund gelegt: „Merkwürdige und seltsame Liebesgeschichte zwischen einem jungen verliebten Juden und einer überaus schönen Büttners Frau, welche sich am Rhein bei Straßburg zugetragen, 1793. Nebst seinem Liebs- und Leid-Liede.“ In dieser Erzählung heißts am Schluß: Jakob sang (um sich die Grillen zu vertreiben) so oft er an die schöne Büttnersfrau dachte, zum öftern das schöne, sein von ihm selbst erwähltes Liebes und Leid-Lied: „Schönstes Kind, vor deinen Füßen lieg ich und wein bitterlich ….“ ifolgt das Lied wie oben, nur in wenig Worten abweichend).

Wünschelrute 1818 S. 172 bemerkt: „So ist jetzt noch eine Art von Gedichten im Volke, deren Sprache genau die Periode nach Opitz anzeigt, oft sehr poetisch und gerundet, mit manchen volksmäßigcn Wendungen durchflochten und gewiss zum Teil im Volke entstanden, da man ihren Werken sonst die Namen der Dichter leicht auffinden müßte; ich nenne z. B. „Schönstes Kind, zu deinen Füßen.“

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