Marseillaise

| 1792

Marseillaise

Auf die 1792 komponierte Nationalhymne Frankreichs, die Marseillaise, gibt es zahlreiche Nachdichtungen und Parodien:  Dazu gehören zahlreiche Lieder der Arbeiterbewegung aber auch ein Kriegslied aus dem Ersten Weltkrieg.

Als deutsche Marseillaise schrieb Ludwig Schanz 1848 ein Loblied auf den Führer der badischen Revolution „Friedrich Hecker“: Wir wollen nichts vom Frieden hören /  Bis durchgekämpft der letzte Krieg / Wir lassen nimmer uns betören / Die Losung ist: Tod oder Sieg“.  Kurz darauf schrieb Ferdinand Freiligrath dann die vermutlich erste Nachdichtung auf diese Melodie : „Frisch auf zur Weise von Marseille / Frisch auf ein Lied mit hellem Ton / Singt es hinaus als die Reveille / Der neuen Revolution! Die neue Rebellion! / Die ganze Rebellion! / Marsch! Marsch! Marsch! Marsch! / Und wär´s zum Tod! Und unsre Fahn’ ist rot!“

Ebenfalls in der 48er-Revolution war die „Bauern-Marseillaise“ weit verbreitet:“ Bomsvalera! Wir brauchen keinen König mehr! Bomsvalera! Wir brauchen ihn nicht mehr! Ça! Ça! Rewelutschion!“

Vielfach stehen Nachdichtungen in Max Kegels Sozialdemokratischen Liederbuch: „Steh fest und wanke nicht / die Sklavenkette bricht“ Oder vom Völkerfühling wird da gesungen,, daß die Sonne der Freheit bald auch dem Proletarierheer scheint, doch zuerst muß die Kette fallen, „in die das Kapital uns schlug“, so schrieb Emanuel Wurm. Vom gleichen Autor dann zu Beginn des Ersten Weltkriegs: „Germanias Kraft, Germanias Recht / sei frei durch heilger Sitte Walten …. doch frisch aus deinem Heldenblut entsproßte dir der Kranz der Ehre“

Gleich zwei Nachdichtungen gibt es von Jakob Audorf, Aktivist der Arbeiterbewegung und Redakteur in Hamburg, unter anderem im “Hamburg-Altonaer Volksfreund” und im “Hamburger Echo”. 1864 schrieb er für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, die Vorstufe zur SPD: „Nicht zählen wir den Feind / nicht die Gefahren all / Marsch, marsch, marsch, marsch / Der kühnen Bahn nun folgen wir / die uns geführt Lasalle!“ Und einige Jahre später:  „Drauf , drauf, mein Bruder Schmied / so lang das Eisen glüht / schlag drauf, schlag drauf / daß hell ringsum der Geistesfunke sprüht“.

Zur Jahrhundertwende 1900 kämpfte die Arbeiterbewegung für den Achtstundentag, und Ernst Klaar schrieb: „Gebt den Achtstundentag! verkürzt der Arbeit Plag! Zum Siegeszug die Trommel schlug. Acht Stunden sind genug!“

Radikaler klingt es 1920 bei den Kommunisten nach der niedergeschlagenen Novemberrevolution und der Spaltung der Arbeiterbewegung: „Nehmt Waffen, alle Mann / Empor, zum letzten Krieg! / Und sei es Tod und sei es Sieg / Voran! Voran! Voran!“ Und wenig später : „Doch Brüder all herbei! Der Bund, der macht uns frei! Rotfront! klingt´s immerfort. Rotfront, Rotfront! klingt unser Losungswort.“

Selbst ein Weihnachtslied gibt es auf die Melodie der Marseillaise: Verstummt Ihr Engel und Ihr Hirten / verstummt, ihr trägen Litanen /  Eh nicht gelöst der Völker Bürden / kann Frieden nicht auf Erden sein / Wie könnten Freudenlieder schallen /  wo Unterdrückung herrscht und Not…..“

Über die Entstehung der Melodie gab es eine Zeitlang Gerüchte, dass die Melodie von einem deutschen Komponisten (Organist Holtzmann in Meersburg) stamme bzw. auf eine alte deutsche Melodie zurückgehe, was seit 1922 aber als überzeugend widerlegt gelten kann. Jedoch hat die Melodie eine Ähnlichkeit mit dem Quintett für Flöte, 2 Violinen, Viola und Violoncello in C-Dur G. 420[2] von Luigi Boccherini aus dem Jahre 1773 ,was dann Claude Joseph Rouget de Lisle  inspiriert haben könnte.

Dieser komponierte und textete ursprünglich ein „Kriegslied für die Rheinarmee“ ( Chant de guerre pour l’armée du Rhin), und zwar am 26. April 1792 in Straßburg, als Frankreich Österreich den Krieg erklärte.Das Lied wurde während der französischen Revolution von Soldaten aus Marseille (daher der Name Marseillaise) beim Einzug in Paris gesungen. Am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne.

Georg Herwegh schrieb 1863 mit dem Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein quasi die Deutsche Marseillaise. “Bet und Arbeit ruft die Welt!”

 



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