Im Sommer ist gut wandern

Im Sommer ist gut Wandern
scheint uns die Sonn‘ a so schön warm
ma feines Lieb liebet ein‘ Andern
dos hob ich schon lang dafahrn

Daß er so lang neat komma is,
Dös drüßet mich wohl in der Welt
Ein‘ Andern hat er’s geliebet
Daa hat gemacht das große Geld

Das hat gemacht das Geld und Gut,
Dazu der große Ober-Mut
Ei, daß wir uns arme Dienstmadelein
So sehr und sehr verachten tut

Ei weil man sie verachten tut,
Verachten tut wohl a so sehr
So trau ich ja au sein Lebtag
Kein‘ solchen falschen Knaberl mehr
Kein solchen falschen Spitzbubn mehr.

Sie gehn mit einander die Straßen
Von Herzen weinet sie so sehr
Ei, fahren da mußt du mich lassen
Mag dir g’schehn.wie der liebe Gott will

FeinsLiebel, wennst am Tanzboden gehst
Red nur ka helles Wort af mich
Sonst reden die Leut von mir u von dir
Sie sagen du freiest mit mir mehr.

Schöns Schatzl, wennst am Tanzboden gehst
Tanz du nur mit meina Gespielin
U denk, du tanzt schon mit mir mehr
Schöns Schatzl denk, is a so viel.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Die 2 letzten Strophen begegnen uns auch im vorangehenden Schweizerliede. —
in Böhmische Volkslieder 1891, III Abteilung Nr. 61 (S. 144).
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 584b)

Abweichungen im Text

  • 1. 3 statt Andern wohl richtig Andere. [??]
  • 2. 2 drüßet verdrießt.
  • 3, 2 Ober-Mut = Übermut
  • 3. 3 wir statt man

Anmerkungen zu "Im Sommer ist gut wandern"

Böhme: „Der Inhalt des Liedes ist zerfahren. Ist es die Klage einer Dienstmagd über Verachtung und Untreue, so daß sie in Strophe 5 den Liebsten aufgiebt, so passen dazu nicht die Schlußstrophen, darin sie ihn zu stiller Liebe und Vorsicht ermahnt. Vermutlich sind zwei Lieder nach gleicher Melodie zusammen gesungen.“

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