Ich schell mein Horn in Jammerton

Herzog Ulrichs Jagdlied

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Ich schell mein Horn in Jammerton

Ich schell mein Horn in Jammerton
mein Freud ist mir verschwunden
und hab gejagt ohn Abelon
es lauft noch vor den Hunden
ein edles Gwild in dem Gefild
als ich hab auserkoren
es scheucht ab mir als ich es spür
mein Jagen ist verloren

Fahr hin Gewild, in Waldeslust!
Ich will dir nit mehr schrecken!
mit Jagen dein scheeweiße Brust
ein anderer muß dich wecken
und jagen frei mit Hundes Krei
da du nit magst entrinnen
halt dich in Hut mein Tierlein gut
mit Leid scheid ich von hinnen

Kein edlers Tier ich jagen kann
das muß ich oft entgelten
noch halt ich stets auf Jagens Bahn
wiewohl mir Glück kommt selten
Ein Hochwild schon will mir entgohn
laß ich mich begnügen
an Hasenfleisch nit mehr ich heisch
das kann mich nit betrügen

Text und Musik: Verfasser unbekannt bzw. Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550)
zuerst im Liederbuch des Arnt von Aich (1519)
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 258)

Zweite Melodie zu "Ich schell mein Horn in Jammerton"

Zweite Melodie zu
Noten im Liederhort

Anmerkungen zu "Ich schell mein Horn in Jammerton"

„Dieses allegorische Abschiedslied war eins der beliebtesten Lieder des 16. Jahrhunderts.  Man nimmt allgemein an, dass es Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550) ein eifriger Jäger und Musikfreund, gedichtet habe, als er die mit ihm schon von Kindheit an verlobte Prinzessin Sabina von Bayern am 1.3.1511 heiraten musste. Der feurige Jüngling liebte die Markgräfin Elisabeth von Brandenburg. Das edle Hochwild, daß er nicht erjagen kann, ist Elisabeth, das Hasenfleisch Sabina“ (Anmerkung in Deutsches Lautenlied, von Professor Dr. Walther Werckmeister , ein weiterer Fall der Männerphantasien )


Anmerkungen im Liederhort:

Text und Melodie wie hier bei Arnt v. Aich, 1519, Fol. 44, dort in doppelter Notendauer. Ziemlich ebenso Forster IV, 1556, Nr. 12 und Newber, «8 Lieder, Nr. 19. Mit ganz anderer Melodie und verderbtem Texte bei I. Ott, 1544, Nr. 57, Tonsatz von L. Senfl; wiederholt bei Forster in, 1599, Nr. 9; Ochsenkun, Tabu- laturbuch, 1558. Nach letzterem bei Uhl. 179: .Ich schell mein Horn ins Jammer thal.“ — Sinnlos ist der Eingang bei Ott und Forster III: .Ich schwing mein Horn ins Jammerthal.‘ So auch Wdh. I. 162: „Fordert den Ton des Waldhorns‘, Goethe. —

  • Ein um 1510 gedichtetes Jagd« und Liebeslied auf die nicht geglückte Verlobung des Herzogs Ulrich v. Würtemberg liegt hier vor, das den Abschied und die Entsagung ausdrückt. Ulrich ward auf Wunsch des Kaisers Maximilian mit dessen Nichte Sabina v. Bayern verlobt und mußte sich am 21. März 1511 zur Ehe mit dieser unliebenswürdigen Braut (als Hasenfleisch im Gedicht bezeichnet) entschließen, trotz seiner Neigung zu einer Markgräfin v. Brandenburg (allegorisch: Hochgewild). Auf diese Liebesangelegenheit bezieht sich obiges Lied, das der eifrige Jäger und musikkundige Ulrich selbst gedichtet, komponiert und gesungen haben soll.

Worterklärungen:

  • I, 1 schellen, erschallen lassen
  • Jammerthal, eine spätere hübsche Lesart, wodurch der Reim gestört wird.
  • I. 3 Abelon, Abelan, Ablassen
  • 2, 5 Kree, frz. crie, Geschrei.
  • 3, 7 eischen, alte gute Form für heischen, letzteres in anderen Drucken. (Grimm, Wörterb. 3, 363)
  • 3, 3 dennoch bleib ich auf rechter Jagdbahn.

"Ich schell mein Horn in Jammerton" in diesen Liederbüchern

u. a. in: Zupfgeigenhansl (1908) — Deutsches Lautenlied (1914)

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