Mit Lust vor wenig Tagen (Jäger und Hase)

Mit Lust vor wenig Tagen (Jäger und Hase)

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Mit Lust vor wenig Tagen
Eim Jäger kam in Sinn
Er wohlt ausreiten und jagen
Wo er mocht kommen hin
über ein grüne Heide
Der Jäger wohlgemut
In seinem grünen Kleide
Mit seinem Hündlein gut.

Nach Hasen wollt er stellen
Nach Hasen war ihm jach
Er zog mit seinen Gesellen
Umher den ganzen Tag
Das Holz und da er jagen sollt,
Das heißt der grüne Wald,
Das Häslein das er fangen wollt,
Das war sehr wol gestalt.

Frisch hurtig und geschwinde
War ihm das Häselein
Er konnt es nicht bald finden
Das bracht dem Jäger Pein
Er vermaß sich zur Stunden
Er wollt nit lassen ab
Er Hatt es denn gefunden
Darmit verging der Tag.

Gar zornig war der Jäger
Daß ers nit finden sollt
Endlich wischts aus seim Lager
Das Häslein das er wollt
Sein’ Hündlein täten anschlagen
Des war der Jäger froh
Geschwind tät er nachjagen
Ereilts in einem Nu

Aufwischt das Häslein balde
Und eilet ganz geschwind
Lief hin und her im Walde
Der Jäger nahm sein Wind
Das Häslein wollt er Hetzen
Daß es würde verwundt
Aber es tät sich setzen
Und bat ihn um Genad

„Ruf ab, gut Jäger, balde
Deine Hündlein, bitt ich dich!
Laß dein Hornlein erschallen
Und laß nit jagen mich!
Ich gered dir das Leben
Und auch die Treue mein.
Dir tu ich mich ergeben
Und will dein Häslein sein!

Ach rette mich zur Stunde
Mein Leben bitt ich dich
Auf daß deine Jagdhunde
Nicht mögen würgen mich
Ich will von deim Gehege
Kein Füßlein setzen ab
Gar nicht, in keinem Wege
Weil ich das Leben Hab.”

Tu dich nur nit betrüben
Sprach bald der Jäger gut
Ich trag zu dir groß Liebe
Und ein redlichen Mut
Wilt du mir das gereden
Daß du mein eigen wilt sein
Nicht scheiden von meim Gehege
So sollt du ledig sein!

Ach Gott, tu mir erhalten
Das Häslein hübsch und gut!
Für Unfall mannigfalte
Halt es in guter Hut!
Bis daß ichs kann bekommen
Zu rechter Zeit und Maß
Es dient zu meinem Frommen
Auf meinen Hochzeittag.

Darnach will ich es herzen
Nach meines Herzen Lust
Freundlich mit ihr ergehen
Wills drucken an mein Brust
Tu dich nur wohlgehaben.
Du zartes Häselein;
Die Jagd soll dir nit schaden
Am jungen Leben dein!'”

Text nach einem fliegenden Blatt, Ende des 16. Jahrhunderts gedruckt: „Zwei schöne newe Lieder. Das erste die newe Jagd genandt.” Auch so in Lantzenbergers Liederbuch 1607 Nr. 25. — Das Lied war zu Anfang des 17. Jahrhunderts sehr beliebt.
Musik: “Als Mel. habe ich die damals aufgekommene Jagdmelodie beigesetzt, nach welcher man Wilhelmus von Nassauen” sang. Versmaß und Charakter der Musik paßt herrlich, und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß diese Weise bald in Deutschland Eingang fand und zur vorstehenden neuen Jagd zugeeignet ward, umso mehr, als wieder das um 1724 entstandene Lied „Auf auf zum fröhlichen Jagen” wesentlich wieder die alte Melodie auf Wilhelmus von Nassauen ist.” (Böhme)
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1448 “Die neue Jagd”)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1590)