Hört ihr Herrn (Norddeutsches Nachtwächterlied)

Hört ihr Herrn (Norddeutsches Nachtwächterlied)

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Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen
unsre Glock hat Zehn geschlagen:
Zehn Gebote setzt Gott ein
daß wir sollen glücklich sein

Menschen wachen kann nichts nützen
Gott wird wachen, Gott wird schützen
Herr, durch deine Gut und Macht
schenk uns eine gute Nacht

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen,
Unsre Glock hat Elf geschlagen
Elf der Jünger blieben treu
Gib, daß nun kein Abfall sei!

Menschen wachen kann nichts nützen …

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen,
Unsre Glock hat Zwölf geschlagen
Zwölf das ist das Ziel der Zeit
Mensch bedenk die Ewigkeit

Menschen wachen kann nichts nützen …

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen
Unsre Glock hat Eins geschlagen
Eins ist allein der einge Gott
Der uns trägt aus aller Not

Menschen wachen kann nichts nützen …

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen
Unsre Glock hat Zwei geschlagen
Zwei Wege hat der Mensch vor sich
Herr, den rechten führe mich!

Menschen wachen kann nichts nützen …

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen
Unsre Glock hat Drei geschlagen
Dreifach ist, was heilig heißt —
Vater, Sohn und heiliger Geist.

Menschen wachen kann nichts nützen …

Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen
Unsre Glock hat Vier geschlagen
Vierfach ist das Ackerfeld
Mensch, wie ist dein Herz bestellt?

Alle Sternlein müssen schwinden
Und der Tag wird sich einfinden
Herr, durch deine Güt und Macht
Gib uns eine gute Nacht!

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1580 und Nr. 1581 „Nachtwächterlied“)
Norddeutsche Lesart der Melodie aus der Umgegend von Zehdenick an der Havel
Melodie geht zurück bis zu Anfang des 17. Jahrhundert
in: Büsching und von der Hagen, Volkslieder 1807. Nr. 16. Daher Erk II. 2, Nr. 41.

Liederthema: ,
Liederzeit: (1603)

Region: , , ,

Zweite Melodie zu "Hört ihr Herrn (Norddeutsches Nachtwächterlied)"

Zweite Melodie zu
Süddeutsche Lesart der Melodie

Anmerkungen zu "Hört ihr Herrn (Norddeutsches Nachtwächterlied)"

„Diese sogenannte „Nachtwächtermelodie“ steht mit einem Choral in Beziehung; aber unentschieden bleibt, ob sie aus dem Choral hervorgegangen, oder der Choral ihr nachgebildet ist; jedenfalls war sie schon Anfang des 17. Jahrhunderts gekannt. Sie soll schon in Vulpius‘ Cantiones sacrae 1603 stehen. Dann kommt sie lange Zeit in keinem Kirchengesangbuche wieder vor, als erst 1668 in Silesius „heilige Seelenlust“ dem Liebe angepaßt: „Ach, wenn kommt die Zeit heran“; dort mit der Überschrift: Bekannte Weise. Dann erscheint sie 1731 im Nürnberger Gesangbuche zu dem von Christoph Titius (Tietze) 1657 gedichteten und 1663 zuerst gedruckten Kirchenliede: „Sollt es gleich bisweilen scheinen“. Unter diesem Titel ist sie noch bis heute in Choralbüchern zu finden.. “ (Böhme)

Textvariante:

  • 1.3: schärft Gott ein, gib daß wir gehorsam sein!
  • Refrain: Gott muß wachen, Gott muß schützen, Herr durch deine weise Macht, gib uns eine gute Nacht
  • 2,3: Elf Apostel blieben treu, Hilf Gott, dass kein Abfall sei
  • 4.3: Ein Gott ist nur in der Welt, Dem sei Alles heimgestellt
  • 6.3: Drei ist Eins, was göttlich heißt…
  • 7.5: Auf, ermuntert eure Sinnen! Denn es weicht die Nacht von hinnen: Danket Gott, der uns die Nacht Hat so väterlich bewacht!

Mit dieser zweiten, leicht veränderten Text-Fassung zuerst in: „Auswahl der besseren deutschen Volkslieder für Schulen“ von J. G. Hientsch, Frankfurt a. O. 1821. Aufgenommen, wie die Vorrede meldet, in der Nähe der alten eingeäscherten Festung Hohentwyl, unfern des Bodensees im Württembergischen. Merkwürdig übereinstimmend fand es Erk in der Umgegend von Frankfurt a. M. (s. dessen Volkslieder II. 2, Nr. 13). Ebenso vielfach mündlich, aus dem Darmstädtischen, Württembergischen , Brandenburgischen (Schwedt, Zehdenick und Schlesien bei Erk, Liederhort Nr. 196. — Zwei Anfangsstrophen beim Abrufen um 8 und 9 Uhr sind hier fortgeblieben. (Vergl. Jungbrunnen Nr. 167. Tobler I. S. 200.)

Vergebens ist bis jetzt nach dem Textverfasser gesucht worden (s. „Blätter für literarische Unterhaltung“ 1862. Nr. 34). Das schöne Lied ist nach Wort und Weise nur eine spätere Umbildung des vorangehenden älteren Liedes. Da der fromme Brauch des Wächterrufes abgekommen, hat Erk das Lied mit Recht in seine Schulliederhefte aufgenommen. (Böhme)