Bremer Stadtmusikanten

Es war ein Ritter namens Zacharias

Es war ein Ritter namens Zacharias
der im Jahre fünfzehnhundertneun
In einem Turm auf hohen schroffen Felsen
Mit Eulalia schmachtete allein
Beide waren reine Engelskinder
Schöner man sich’s niemals denken kann
s Herz von ihr war batzweich wie eine Butter
Und das seine hart als wie ein Stan
Infam!

Sie lebten beide glücklich und zufrieden
eines tat dem andern nichts zu Leid
sie tat spinnen, er ging fleißig jagen
und  so kannten sie nicht Zank und Streit
nur wenn er beim Jagen hatt´ Malheure
und kam mit der z´rissnen Hose z´Haus
statt mit Zwirn zu flicken, wollt sie sparen
drum riß sie ihm die längern Haare aus
O Graus!

Von was sie lebten, konnte man nicht sagen
weil man heute noch nichts Rechtes waß
sie hausten beide ganz allein im Schlosse
Hui im Stall hab´ns g´habt a alte Gas
Wie die Leute immer noch behaupten
diente Laub ihnen als bester Tee
Von der Gas bekamen sie die Milli
und  die schönsten Bohnen zum Kaffee.
O weh!

Sie tranken meistens frisches Regenwasser
und verzichteten auf Wein und Bier
Nur das Fleisch, das aßen sie sehr gerne
Rindvieh war ja leider keines hier
Sie benutzten dazu ihre Kinder
Gewiß drei Dutzend waren´s an der Zahl
Da wurde jährlich eines abgestochen
Und bereitet zu ´nem guten Mahl.
Skandal!

So vergingen sechsunddreißig Jahre
Wo sie mit allem reich versorgt
Einen Greißler hat es dort nicht geben
Der in der Not hätt ihnen was geborgt
Als der letzte Sprößling aufgezehret
Fiel dem Ritter plötzlich etwas ein
Er nahm sein Weib und hängt es in den Rauchfang
Und selchte sie akrat wie ein Schwein.
0 mein!

Kaum war die erste halbe Nacht vergangen
Und es schlug am Turm die Geisterstund
Da konnte er in seinem Bett nicht schlafen
Es hat ihn beutelt wie ein´n nassen Hund
Was war die Schuld? Es kam sein Weib als Hexe
Die er als G´selchtes eßen wollt
Nahm ihn beim Kragen und fuhr zur Hölle
Jetzt sag´n d´ Leut, der Teufel hat ´n g’holt
Schrumm, schrumm!

Text und Musik: Verfasser unbekannt – Wiener Einblattdruck um 1880 von Anton Göller
in Krokodilstränen (1970)

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Liederthema: Moritaten | Raub-Mord-Totschlag
Liederzeit: (1880)
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