Moritaten

Moritaten wurden von Bänkelsängern auf Strassen und Plätzen vorgetragen, oft in Verbindung mit Bildern, die zu den einzelnen Strophen gezeigt wurden. Nicht selten waren Verbrechen das Thema der Lieder und in der Regel endete die letzte Strophe mit einer Art Moral wie z.B. “Drum Mensch bezähme deine Triebe…..” oder “Und die Moral von der Geschicht….”. Die heutige Bildzeitung führt dieses Genre in gewisser Weise fort.

»Es ist wunderbar, daß der Mensch durch Schreckliches immer aufgeregt sein will. Es ist an Mord und Totschlag noch nicht genug, an Brand und Untergang; die Bänkelsänger müssen es an jeder Ecke wiederholen. Die guten Menschen wollen eingeschüchtert sein, um hinterdrein erst recht zu fühlen, wie schön und löblich es ist, frei Atem zu holen.« (Johann Wolfgang von Goethe)


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Ach Joseph lieber Joseph (Kindsmörderin)

Ach Joseph, lieber Joseph was hast du gedacht Daß du die schöne Bertha ins Unglück gebracht Ins Unglück geführet so jung und so schön Auf daß sie hat ermordet ihr einziges Kind Ach Joseph, lieber Joseph mit mir ists bald aus Denn sie werd´n mich ja führen zum Schandtor hinaus Zum Schandtor hinaus wohl auf den grünen Platz Ei da

| 1856


Am Ufer des Stromes da wandelten zwei

Am Ufer des Stromes da wandelten zwei Sie blickten zum Monde und seufzten dabei Da plötzlich die Dame, die reizende, spricht: 0 pflücke mir dieses Vergißmeinnicht! Rasch springt der Herr zu des Stromes Strand Schon hält er das Blümchen in seiner Hand Doch wehe, er gleitet, da liegt er im Strom Mitsamt dem Blümchen, der Galanthomme Die Dame mit einem

Liederzeit: | , | 1883


Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten nach Pankow war sein Ziel, da verlor er seinen Jüngsten ganz plötzlich im Gewühl; ne volle halbe Stunde hat er nach ihm gespürt, aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert ! Zu Pankow gab´s kein Essen, zu Pankow gab´s kein Bier. War alles aufgegessen von fremden Gästen hier, nicht mal ´ne Butterstulle hat man

Liederzeit: | | 1900


Brandenburg Brandenburg dieser Erzphilister

Brandenburg, Brandenburg dieser Erzphilister “Bin ein Schlaukopf durch und durch!” sprach er als Minister: “Brandenburg, die schöne Stadt keine Demokraten hat Ja, da muß, so wahr ich bin! Nationalversammlung hin! Denn mein König will es so Kann ja auch nicht schaden Hat er selber doch gesagt: Bin – von Gottes Gnaden!” Aber ach, aber ach! Unsre Volksvertreter Wollen nicht solch bittre

Liederzeit: | 1848


Der Mord an einem Schneidergesellen

In der Lüneburger Heide nachts ein armer Schneider riß (reiste) sah ein Licht zu seiner Freude schimmern in der Finsternis Und er eilt zur Wirtshausstube Wirt und Wirtin waren froh dich der Wirt, der war ein Bube und die Wirtin, die war roh Und es schlief die arme Seele Wirt und Wirtin traten ein schnitten kalt ihm ab die Kehle

Liederzeit: | | 1900


Die schöne Elsa Binsentrug

Die schöne Elsa Binsentrug Die war sich niemals schlank genug Sie trennt´ sich nie von dem Korsett Und schnürt sich damit früh und spät. Mit desperatem Neid die Fraun Die Wundertaille Elsas schaun Die Garnison ist hochentzückt Sobald sie Elsa nur erblickt Doch eines Tages, eins, zwei, drei Brach Elsa in der Taill´ entzwei Bald trug man sie durchs Friedhoftor

| | 1883


Die Witwe Quintche

Die Witwe Quintche, die im Leb´n mit Schande aß ihr Brot, an der so viele Makel kleb´n, sie schlug den Gregy tot, juchhe! Die Quintchen, das verruchte Weib gesteht den Mord nicht ein Die Quintchen schlug den Gregy tot kocht ihn sich zum Abendbrot Das größte Portmonné hat Ladewig, hat Ladewig die Bügel sind entzwee det schadet nich, det schadet

Liederzeit: | 1865


Eduard und Kunigunde

Eduard und Kunigunde liebten treu und zärtlich sich Sehnlich harrten sie der Stunde Wo das Licht der Sonne wich O dann blüthen ihre Freuden Durch der Liebe Wonn´ Genuß und kein herber Kelch der Leiden Mengte sich in ihren Kuß Doch der Drang nach Reichtum stürzte Nur zu bald dies große Glück Das was ihre Tage würzte Schwand nun schnell

Liederzeit: | , | 1820


Ein Jüngling hatte einen Schatz

Ein Jüngling hatte einen Schatz den sich sein Herz erkor. Er wohnte am Louisenplatz und sie am Hall´schen Tor Sie trafen sich, von Lieb entbrannt einst in nem Omnibus Drei Tage drauf in Moabit Da kam´s zum ersten Kuß Allein die Sache stand sehr schief denn bei der letzten Wahl Ihr Vater wählte konservativ der seine liberal Bis endlich faßt

Liederzeit: | | 1900


Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt

Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt. Er liebte ein Mädchen das hatte gar kein Geld. Das Mädchen musste sterben und wer war Schuld daran? Der kleine Matrose in seinem Liebeswahn Text: anonym – Parodie auf diverse Moritaten ähnlichen Inhalts , siehe auch : Sabinchen war ein Frauenzimmer Musik: auf die Melodie von Der Mai ist gekommen – Auch als Kinderspiel

Liederzeit: | 1900



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