So wöll wir’s aber heben an von einem reichen kargen Mann

Der Bettler

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So wöll wir’s aber heben an von einem reichen kargen Mann

So wöll wir´s aber heben an
von einem reichen kargen Mann
er hatt´ ein Fräulein hübsch und fein
vor dem beschloß er Brot und Wein
das hei – a – ho!

Es begab sich einmal auf ein Zeit
daß der reiche karge Mann ausreit
Der reich Mann war geritten aus
Ein Bettler kam ihm für das Haus
das hei – a – ho!

Er bat die Frau wohl um ein Gab
durch des lieben Herrn Sanct Claus
„Ach Frau, möcht ich ein Almos han
so wollt ich darnach fürbaß gan.“
das hei – a – ho!

„Ach Bettler, du bitt’st mich um ein Gab
vor mir ist beschlossen Wein und Brot
Ich bin mein’s Gut’s ein armes Weib
ich teil mit dir mein stolzen Leib!“
das hei – a – ho!

Ich weiß nit, was er ihr verhieß
daß sie den Riegel von dannen stieß
sie stieß den Riegel an ein Eck
und legt den Bettler in ihr Bett.
das hei – a – ho!

Die zwei lagen die lange Nacht
bis sie bescheint der helle Tag
„Stand auf, Better, wann es ist Zeit
du leihst eim Biedermann sein Weib.“
das hei – a – ho!

Er zog herfür sein‘ Bettelsack
die Stücklein waren Wohlgeschmack
„Seh hin! mein Lieb, iß Käs und Brot
bis daß der Hunger dir vergaht.“
das hei – a – ho!

Und da der Herr zum Hof einreit‘
die Kellerin ihm entgegen schreit:
„Ach Herr, ich sag euch neue Mär
die Frau behielt ein’n Betteler
das hei – a – ho!

Und da der Herr zum Haus eintrat:
„Lebst du noch oder bist du tot?“
„So leb ich noch und bin nit tot
ein Bettler mich erfreuet hat.“
das hei – a – ho!

Was zog er ab dem Gürtel sein?
Nun seh, du Lieb, die Schlüssel dein!“
Also ergings dem kargen Mann
der seinem Weib kein Gutes gann
das hei – a – ho!

Der uns das Liedlein hat gemacht
Als Unglück kam ihn in sein Sack
Also geht es eim kargen Mann
Der seinem Weib kein Gutes gann
Das heiaho

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort I (1893, Nr. 139a)

Text nach dem fliegenden Blatt gedruckt durch Hans Guldenmundt Nürnberg c 1530 im Weimar Sammelb No 66. Darnach bei Uhland No 285, Erlach 2 158, Altd Ldb 48. Mit dem Anfange „Was woll wir aber heben an“ sonst gleichlautend im Ambraser Ldb 1582 Nr 93, Mel bei Forster V 1556 Nr 8
Ähnlich das Lied vom Bettelvogt: Ich war noch so jung und war doch schon arm

Liederthema:
Liederzeit: vor 1520 : Zeitraum:
Schlagwort:
Orte:
Geschichte dieses Liedes:
Archivnummer: BSMA A

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: Der Sagenstoff reicht bis ins 13 Jahrhundert zurück. Nicht bloß beim Minnesinger von Neifen fanden wir ein Bruchstück, sondern derselbe Stoff ist auch in einem erzählenden Gedicht Ende des 13 Jahrh behandelt ( von Hagen: Gesammtabenteuer II 245) Sehr wahrscheinlich hatte schon damals das Volk sich dieses Stoffes bemächtigt. ... weiter lesen

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Abweichungen im Text

Bei Forster mit dem Anfange:

„Der reich Mann war geritten aus
Da kam ein Bettler für sein Haus
Der bat die Frauen um ein Gab
Daß sie ihm gäb von ihrer Hab“

Dieselbe Romanze steht auch in den Graßliedlin 1535

„Es war ein Herr geritten auß
da kam ein Bettler für das hauß
er bat die frawen vmb ein gab
wol durch den Herrn sant Nicola
das Heiaho“

aus einer Hschr des 15 Jahrh in Weimar Wiederholt Altd Liederb S 128 Ein älterer Text Wöll wir aber heben an Jahrb 3 465 durch O Schade