Liedergeschichte: Nun ade jetzt reis ich fort

Zur Geschichte von "Nun ade jetzt reis ich fort": Parodien, Versionen und Variationen.

„Nun adje jetzt reis ich fort“ ist das beliebteste und am weitesten verbreitete Deserteurlied gewesen, dessen Aufzeichnungen von (1806) bis 1933 reichen. Da die Fassung von 1806 schon recht zersungen ist, ist das Lied sicherlich älter. (Wolfgang Steinitz, S. 474)

Auch bei diesem weitverbreiteten und beliebten Lied begegnen zahlreiche Umänderungen und Zusätze, die bisweilen bestimmten „Lokalredaktionen“ angehören. So erscheint statt des gewöhnlichen „Sie führten mich zu dem Richter hin: bin ( wie in B2, C3, E 2) in D2: „Sie führten mich ins Hauptmanns Haus, O wie wird es mit mit fallen aus“ (Prov. Sachsen 1857), und der gleiche Wortlaut kommt bei E 5690 aus der Gegend von Halle 1838 und bei Steglich 207 aus Sachsen vor; es handelt sich also um eine in Sachsen und Sachsen-Anhalt verbreitete Redaktion (vgl. auch F 1). – In D stammt Strophe 6 aus dem durch zahlreiche Liederbücher verbreiteten Deserteurlied „Zu Straßburg auf der Schanz“.

Die Anfangsstrophe variiert, wie A – F zeigen, zum Teil sehr stark. Die Verse „Reise über Berg und Tal, Stein und Felsen überall“ erscheinen in E, C (verderbt) und z. B.  auch in Westfalen bei Reifferscheid. Westfäl. Nr. 14.

Mit unserem Lied ist die sehr charakteristische Melodie G fest verbunden, die bei Ditfurth, Fränk. II Nr. 278; E.-B.; Wolfram; Bender; u. a., sowie, wenn auch stark umgesungen, hier in B erscheint. Wenn es aber bei Erk-Böhme heißt: „Die Melodie ist überall wesentlich gleich, so trifft das nicht zu. Die abweichende Melodie bei Reifferscheid. Wetfäl Nr. 17 erwähnt Böhme selber. F (Rhön) vertritt ebenfalls eine selbständige Melodie, die auch bei Steglich 207 aus Sachsen belegt ist. Gehört D zum Typ G?

Nun ade jetzt reis ich fort
fort in ein andres Ort
ob ich gleich ein Deserteure bin
darf ich doch Urlaub nehmen

Hört ihr Herren insgemein

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Schatz ich sag dirs mit einem Wort
morgen früh marschiern wir fort
kommen wir an der Grenze an
halten uns die Bauern an
ach was [...] ...

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Ade nun reis ich fort
an einen fremden Ort
dieweil ich aber weg gereiset bin
so ging es mir recht schlimm

Wie ich an die Grenze [...] ...


Nun adieu jetzt muss ich fort
reise ich über Berg und Tal
steigt man vorüber all
jetzund reis ich fort

Und als ich an die Grenze [...] ...

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Übermorgen reis‘ ich fort
Weil ich muß aus diesem Ort
Als ich über die Grenze kam
Hielten mich die Bauern an
Hielten sie mich an

Sie [...] ...

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Nun ade, jetzt reis ich fort
Jetzt reis ich in die Fremde
Was gibst du mir zum letztenmal
Dass ich an dich gedenke ?

Ach Schatz, [...] ...

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Nun adje, ich reise fort
Sage dir mit einem Wort
Reise über Berg und Tal
Stein und Felsen überall
Über Berg und Tal

Als ich an [...] ...

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Dreiviertel Stunden vor der Stadt
wo man mich gefangen hat
führt, ja führt man mich ins Richterhaus
Großer Himmel, was soll werden draus
ja mit [...] ...




Wolfgang Steinitz führt als Quellen an:

Gedruckte Fassungen: Mündel, Elsäss. Nr. 163. – A. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, 1883, S. 13. – Hruschka-Toischer, Böhmen,
Nr. 229a (laut DVA: 1816 aus dem Kuhländchen) und b; Jungbauer, Bibliographie, S. 211 — Wolfram, Nassau. Nr. 121a S. 134 (unter Weg1assung der Deserteurverse zum Abschiedslied geworden) —
Böckel, Oberhessen Nr. 98 B S. 82. – C. Müller, Deutsche Volksdichtung in der Oberlausitz: siehe E — *Bender, Oberschefflenz. Nr. 110 („Ein Lieblingslied meiner Mutter aus ihrer Jugendzeit.“ Erste drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts“). – Siehe auch Jahrb. f. Volksliedf. 1, 1928, S. 61 Nr. 92.

Von handschriftlichen Fassungen stehen mir, außer den unter A, C, D, F angeführten, zur Zeit zur Verfügung: * E 2504: Odenwald und Bergstraße, Glock 1839 (4 Str.; Schlußstr.: zu Darmstadt) –
* E 5687 aus Ketzin bei Nauen, Brandenburg, 1849 von einem Dienstmädchen. Schlußstr.  Frankfurt (Melodie und Str. 1 s. hier G.). – E 5688 aus Darmstadt, 1858. – E 5689 aus Darmstadt, 1858. – E 5690 aus Löbejün bei Halle 1838 von einem Dienstmädchen. – E 5691 aus Breslau 1840. — E 5692 aus Hopfgarten, Hessen Darmstadt, 1852. – * E 7825 aus Schönwalde bei Lübben, Niederlausitz, 1856. – * Stegliclı 207, Sachsen, 6. Strophen  (1. Gestern abend träumte mir, Morgen müßt ich fort von hier; 6. zu Berlin). (Nachlass Luwig Erk: E gefolgt von Zahl)

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