Bremer Stadtmusikanten

Hört ihr braven Crimmitschauer

Arbeiterlieder | Freiheitslieder | Lieder vom Weben und Spinnen | | | 2010 |

Hört ihr braven Crimmitschauer
Simserim juchheirassa
Fabrikanten sind in Trauer
Simserim sim sim sim sim
Weil das böse Arbeitsvolk
Tätärä tätätä
den Zehnstundentag gewollt
Tätärä tätätä
auch noch höhere Löhne
Wau wau wau wau wau
auch noch höhere Löhne
Schnedderengteng Schnedderengteng
Schnedderengteng derengtengteng

Als Antwort gab´s in Massen
Kündgungsscheine zum Entlassen
Aus den Buden mußte raus
alt und jung, o welch ein Graus
alles soll nun hungern

Daß wir aber nicht verzagen
und bei uns nicht knurrt der Magen
dafür sorget, wie bekannt
immer der Textilverband
durch die Unterstützung

Hört ihr lieben Streikgenossen
Fabrikanten sind verdrossen
wenn ihr vor der Bude steht
auf und ab als Posten geht
schicken sie Gendarme

Solche Posten man notieret
Viele auch gleich abgeführet
Da heißt es: ins Loch hinein
dort gibt´s weder Bier noch Wein
Nur schwarz Brot und Wasser

Deshalb darf man sein nicht böse
wenn gemessen wird die Größe
und man wird noch obendrein
untersucht, ob man ist rein
oder hat Trichinen

Brüder, wir verharrn im Streite
Simserim …
Denn das Ziel ist nicht mehr weite
Simserim …
Hoch leb der Zehnstundentag
Tätärä …
Länger man nicht schinden mag
Tätärä .
Glücklich woll´n wir leben

Text : anonym Flugblatt  zusammen mit „In Sachsen liegt ein Städtchen“  Überschrift: „Streik-Lied 1903. Melodie: “ Als die Römer frech geworden “ bzw. Bürgermeister Tschech (bei Steinitz 1962)
„Wie lang sind die Bande“ ist  ein Lied von dem Crimmitschauer Weberstreik 1887 (1883?), das auch noch nach 1887 oft gesungen wurde, bei dem Streik von 1903 wieder auflebte und obigem Streiklied sowohl im Text der ersten drei Verse wie in der Melodie als Vorbild diente. (Frühester nachweisbarer Abdruck: Süddeutscher Postillon München , 15. 5.1887). Die Melodieangabe nach dem Lied „Wie lang sind die Bande“ war für die Arbeiter bekannter „Als die Römer frech geworden“. (nach Steinitz )
Band: Längenmaß für Webstücke, das von den Fabrikanten willkürlich verlängert wurde, ohne den Lohn dafür zu erhöhen.

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