Zur rechten Zeit das rechte Wort (1888)

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Nach Hause ziehn um halber drei
des Morgens früh Studenten zwei
sie hatten weidlich sich bezecht
nach altem Burschenbrauch und Recht
da glänzt es rot auf ihr Gesicht
sie halten sich im Gleichgewicht
und singen rauf zur Kneiplatern‘
Wie schön leucht’t uns der Morgenstern

Ein Vater sähe seinen Sohn
verehelicht so gerne schon
doch dieser macht ein dumm Gesicht
und sagt Das Mädel paßt mir nicht
Der Alte meint Ich niemals fand
Geschmack am Junggesellenstand
Der Sohn denkt bei Tabak und Bier
Ein freies Leben führen wir

Ein nettes junges Ehepaar
ist schon getraut ins dritte Jahr
doch zu des Weibchens Herzeleid
hat noch kein Sprößling sie erfreut
Und sieht sie übern Garten hin
die weißen Störche lustig ziehn
dann seufzt sie schmachtend hinterdrein
O bitt euch liebe Vögelein

Der heil ge Vater sitzt zu Rom
auf prächtigem Statthalterthron
und jeder gutkathol’sche Christ
den männlichen Pantoffel küßt
Doch’s Land wird kleiner immer mehr
der Ablaßschwindel zieht nicht mehr
Wer weiß von welchem Sündengeld
Der Papst lebt herrlich in der Welt

Text: Verfasser unbekannt. aus einer Bierzeitung
Musik: auf die Melodie von „Wenn ich mich nach der Heimat sehn“
in Allgemeines Deutsches Kommersbuch (1888, Nr. 599 „Zur rechten Zeit das rechte Wort“)

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