Zieh Schimmel zieh

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Zieh, Schimmel, zieh!
In Dreck bis an die Knie
Schieb dich fein in diesen Karren
wir wolln nach dem Neckar fahren
Zieh, Schimmel, zieh!

Mein lieber Schimmel mein
dort lad ich lauter Wein
Mein Schimmel geht die Weinstraß´ gern
hat´s Ziehn gwiß von seinem Herrn
Zieh, Schimmel, zieh!

Adelig ist sein´ Natur,
er ist kein Bauern-Gurts
ist früher auch im Krieg gwesen
und ist auf ihm mein Hauptmann g´sessen
Zieh, Schimmel, zieh!

Mein Schimmel ist kein Narr
wußt wohl, wie alt er war
War er nit längst davon geflogen
so hätt man ihm den Pelz abgezogen
Zieh, Schimmel, zieh!

Jetzt wird er allgemach
ein kleines Rößlein schwach
Er kann kein´ Offizier mehr tragen
doch ist er recht in meinem Wagen
Zieh, Schimmel, zieh!

Er ist noch wohlgestalt’t
ist nicht zu jung noch alt
er ist mit meinem Weib geboren
hat erst den zehnten Zahn verloren
Zieh, Schimmel, zieh!

Das Hüftbein steht hervor
es hängt ihm h´rab das Ohr
Ich kann ihn bei demselben lenken
und den Hut an die Rippen henken
Zieh, Schimmel, zieh!

Wart nur, mein Schimmel, wart!
Das Stroh ist dir zu hart
Morgen wolln wir Hafer dreschen
Hat mein Schimmel Futter z´fressen
Zieh, Schimmel, zieh!

So hast du´s alle Tag
so lang ich es vermag.
So lang du wirst ein Ader rühren,
laß ich dich nicht zum Schinder fuhren
Zieh, Schimmel, zieh!

Text und  Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1576 „Das Lied vom Schinnel“)

Aus dem 17. Jahrhundert., handschriftlich in Heck’s Liederbuch 1678. Ein ähnliches Fuhrmannslied von 18 Strophen im Wunderhorn II. 87, wohl von den Herausgebern verfaßt. — Die Melodie des Trinkliedes mit gleichem Anfange: „Zeuch, Fahle, Zeuch!“ bei Melchior Franck 1611 (s. Nr. 1140) und in einem Quodlibet von J. Ghro 1612 (ohne das falsche #, das Franck vor der 3. Note hat)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1612)


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