Wollt ihr nun hören eine neue Geschicht

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Wollt ihr nun hören eine neue Geschicht
Wie es die von Mühlhausen haben angericht´t?
Sie haben hinterlistig gehandelt
an einem kranken Weibe
Ist ihnen immer Schande!

Katharina Krauter ist ihr Nam’
Die nie wider Ehre hat getan
Das darf niemand anders sagen
Das tut den Bösewichtern weh —
Sie werden mir’s nicht verzeihen

Die von Mühlhausen sind Biederleut
Sie würgen ja die armen Leut
Daß sie müssen sterben
0 du reicher Gott vom Himmelreich
Nun laß dich’s doch erbarmen.

Es war eine arme Witwe,
Der mißgönnten sie auch ihr Leben
Ein Geleit täten sie ihr entbieten
Sie wollten ihr mitgeben, was sie hätte —
Weh der falschen Sitte!

Wettich hat ein krauses Haar
Er ritt mit einem Pferd dahin
Auf den Acker wollte er reiten
Nach Langensalza stand sein Reisen —
Es war doch wohl zu früh

aus den Bauernkriegen – dem Jahre 1525, nähe Mühlhausen nach Liliencron 3, Nr. 391 , zitiert nach und übertragen von Steinitz : 

Liliencron sagt zu diesem Lied: ,,Es muß großen Ärger erregt haben; als daher das uns erhaltene hdschr. Exemplar desselben [S. Ernestin . Gesamtarcbiv zu Weimar] in der Tasche eines zu Erfurt eingebrachten Räubers, Andreas Eberleyn , gefunden ward, schickte Churfürst Johann den Schosser Bernhard Wallde zu Allstedt nach Erfurt, um u. a. Geständnissen durch die Folter auch den Namen des Verfassers jenes Liedes zu erpressen. Der Schosser berichtet dem Churfürsten (Originalber. im S. Ern. Ges. Arch. zu Weimar d. d. Sonntags nach Katherine 1525), der soeben geköpfte Eberleyn habe auf der Folter seine schon früher gemachte Aussage aufrecht erhalten, er wisse nur, daß der Dichter mit Vornamen Antonius heiße.
In Erfurt sitze aber noch Pfeifers Bruder und ein junger Pfaffe aus Pfeifers Mühlhäuser Anhang Namens Lebe gefangen. Sie seien im Verdacht, um das Lied zu wissen, falls es nicht gar von ihnen selbst komme. Der Rath zu Erfurt werde daher nicht versäumen, bei ihrer Vernehmung auf der Folter auch dieses Punktes zu gedenken und dem Churfürsten demnächst das Ergebniß zu berichten.”

Str. 4—5 kommentiert Liliencron : „Ich verstehe: Sie gestatteten der Frau, offenbar einer Anhängerin Pfeifers, mit ihrer Habe ungekränkt die Stadt zu verlassen; dann ward aber Wittig (vgl. Nr. 390″) ihr heimtückisch nachgeschickt, um sie in Langensalza zum Tod zu bringen. (In Langensalza. wie an andern Orten hielten die von Mühlhausen kommenden Fürsten ein Blutgericht.)” —

Während wir aus dem Jahre 1525 zahlreiche die Bauern schmähenden Lieder der siegreichen Herren und ihrer Landsknechte kennen, ist die Zahl der erhaltenen Lieder der heldenhaft kämpfenden Bauern und städtischen Plebejer äußerst gering. Wenn wir die Umstände betrachten, unter denen sie erhalten sind: so als Beilagen zu Gerichts-und Folterprotokollen, und wenn wir den wilden Haß gerade gegen die Lieder der Aufständischen berücksichtigen, der eben aus diesen Untersuchungen spricht, so kann das nicht verwundern (Steinitz I , S. 22)

Liederthema:
Liederzeit: , (1525)
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