Wer soll Braut sein? (Herder, 1778)


Wer soll Braut sein?
Eule soll Braut sein
Die Eule sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich bin ein sehr greßlich Ding
Kann nicht die Braut sein
Ich kann nicht die Braut sein

Wer soll Bräutigam sein?
Zaunkönig soll Bräutigam sein
Zaunkönig sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich bin ein sehr kleiner Kerl
Kann nicht Bräutigam sein
Ich kann nicht der Bräutigam sein

Wer soll Brautführer sein?
Krähe soll Brautführer sein
die Krähe sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich bin ein sehr schwarzer Kerl
Kann nicht Brautführer sein
Ich kann nicht Brautführer sein!

Wer soll Koch sein?
Wolf soll der Koch sein
Der Wolf, der sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich bin ein sehr tückscher Kerl
Kann nicht Koch sein
Ich kann nicht der Koch sein!

Wer soll Einschenker sein?
Hase soll Einschenker sein.
Der Hase sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich bin ein sehr schneller Kerl
Kann nicht Einschenker sein
Ich kann nicht Einschenker sein!

Wer soll Spielmann sein?
Storch soll Spielmann sein
Der Storch, der sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Ich hab ein’n grossen Schnab’l,
Kann nicht wohl Spielmann sein
Ich kann nicht Spielmann sein!

Wer soll der Tisch sein?
Fuchs soll der Tisch sein
Der Fuchs, der sprach
Zu ihnen hinwieder, den Beiden
Schlagt von einander meinen Schwanz
So wird er euer Tisch sein
So wird er euer Tisch sein

Johann Gottfried Herder gibt den Text des Liedes in seiner 1778 erschienenen, später unter dem Titel Stimmen der Völker in Liedern verbreiteten Volksliedsammlung als „wendisches Spottlied“ „Die lustige Hochzeit“ in einer überarbeiteten Übersetzung wieder. Johann Wolfgang von Goethe übernahm diesen Text wörtlich in sein 1789 verfasstes und von Corona Schröter vertontes Singspiel „Die Fischerin“.



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Liederthema: Hochzeitslieder
Liederzeit: (1778)
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