Was führ ich denn so für’n trauriges Leben

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Was führ ich denn so für’n trauriges Leben

Was führ ich denn so für’n trauriges Leben
daß mir mein Schatz hat Urlaub gegeben
hat Urlaub gegeben und meiner nicht gedacht
drum geb ich meinem Schatz viel tausend gute Nacht.

Viel tausend gute Nacht, viel tausend gute Stund‘
Ach, Hätt ich doch ein Wort mit ihm reden gekonnt
Dieweil ich aber sehe, dass dieses nicht kann sein
Die andre falsche Herzen zu sehr dawider sein

Drum will ich mir kaufen ein aschegraues Kleid
Darunter will ich tragen groß Herzeleid
Groß Herzeleid und einen getreuen Mut
Wie es das Turteltäubelein auch tut

Das Turteltäubelein* so hübsch und so fein
Es ruht nie auf einem grünen Zweigelein
Es trinkt auch Niemalen das Wasser so rein
Es schlägt erst mit beiden Flügelein drein

Und bin ich auch nicht sehr reich dabei
So ist doch gewiß mein Herze getreu
Es gäbe wohl mancher Eintausend-Taler-Schatz
Wenn er nur fände ein getreues Herz

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 702 „Die Trauernde“)

*Über die Trauer der Turteltaube s. Altd. Wälder 2, 34 ff. Die Turteltaube war in älterer deutscher Dichtung ein beliebtes Bild sittlicher Reinheit und treuer, trauernder Witwenschaft, Ihres Gatten beraubt, lässt sie sich immer nur auf einem dürren Ast nieder, auch trinkt sie kein klares Wasser mehr, sondern trübt es zuvor mit ihren Füßen.

Abweichungen im Text

Auch in einer schwed. Ballade (Svenska Folkvisor 1, 168) will Walborg trauern wie die Turteltaube:

Hon hvilar aldrig pa grönan gren
hennesben är‘ aldrig sa trötta
hon dricker aldrig det vatten rent
men rörer det föret med fötter

Sie ruht nie auf dem grünen Zweig
Ihre Beine sind nicht müde
Sie trinket nie das Wasser rein
Sie rührt es erst mit den Füßen.

Anmerkungen zu "Was führ ich denn so für’n trauriges Leben"

Aus Schlesien (Neidrei) 1840. Hoffmann von Fallersleben, schlesische Volkslieder Nr. 139. Die 4. Strophe nach Scherer, Jungbrunnen. 94, mündlich aus dem Ried. Sie ist besser, als die durch Wiederholung einer Zeile entstellte aus Schlesien. Das herzinnige Lied mit seiner klagenden Mollweise hat Dr. Arnold (Volkslieder 9. Heft, S. 20) aufgenommen und schön bearbeitet.

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