Störtebeker und Godeke Micheel (1609)


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Störtebeker und Godeke Micheel
De roveden beide tho gliken deel
Tho water vndt tho lande
So lange dat idt Gott vom hemmel verdroth
Do mosten seliden grote schande

Euen also vnd mit gelikem pries
Heben de Fresen recht vp rouers wies
Bestolen ehren eigenen Heren
Tho Aurigk vpm huese vnd in der Statt
Tho ewigen schanden vnd vnehren

Sewern ehrn Heren mit schulden hoch verplicht
De se in vel Jaren betalen konden nicht


Liederthema: Balladen
Liederzeit: (1609)
Schlagwort: | |
Region: , - -

Anmerkungen zu "Störtebeker und Godeke Micheel (1609)"

Mitgeteilt von Petersen und Lappenberg in der Zeitschr. des Vereins für Hamburg. Gesch. 2, 595, aus einer polit. Flugschrift: »Apo1ogia, d.i. Wahrhafte Verantwortung des Ostfries. Bauren Dantzes u. s. w. durch Abbo Ennen. Gedr. zu Emden, d. J. H. Langebarth.. Diese Mitteilung ·verdanken wir der Wichtigkeit  der ersten Strophe des Liedes, die wenigstens ein Bißlein des originalen Stoertebekers gerettet hat.

Doch hat das Lied für sich hohen Wert; der Fall ist einzig, daß das Original, dessen musikalischen Rahmen der Dichter entlehnt, in der ersten Str. wie gewöhnlich nicht parodisch umgesungen wird, sondern mit Haut und Haaren wie es ist vorangestellt, um die Melodie des Liedes und die darein verwachsene Stimmung und Gemütslage sicher zu haben für den vorliegenden Fall.

Der gräflich gesinnte Dichter macht in seinem Zorn aus den Friesen, deren Häupter er ja mit Namen herzählt, Seeräuber, ja Störtebekers und Godeke Michaels, die jeder von Jugend auf kennen lernte als Ausbund aller Seeräuber, d. h. als das schlimmste Ungeziefer, das es für eine Seehandelsstadt geben kann. Die bloße Mel. genügte nicht mehr zu dem
Zweck, denn darin wurden schon lange auch viele andere Lieder gesungen. Es war das
das äußerste Mittel des Parteihasses in den Schranken der Poesie. —

Zwischen dem Grafen von Ostfriesland, Enno III. und der stolzen Seestadt Emden waren langjährige Zerwürfnisse im Gange, der Haß der Parteien ging schon bis zum Schimpfen in den amtlichen Schriftstücken; der Graf hatte einen Landtag zur Ausgleichung ausgeschrieben auf den 11. Sept. 1609, aber in zum Teil widerrechtlichen Formen, in gehässiger Sprache und, was der mächtigsten Stadt Emden am meisten zuwider war, nach seiner Residenz Aurich.

Die Emdener verboten die Teilnahme an dem “Schandtag”, drohten sogar sie als Friedensstörung und Verrat zu behandeln. So erschien denn niemand als ein paar aus der Ritterschaft, von den Emdenern aber 600 Bewaffnete, die Aurich einschlossen und unter seltsamen Umständen erstürmten. Darauf Plünderung in den Häusern der Gräflichen und besonders im Schloß, dies jedoch ohne Auftrag der Emdener. S. Wiarda, Ostfries. Gesch. Z, 556 ff.

Der alte Hamburger Störtebeker verändert und auf die jüngst zu Aurich begangene Landfriedbrüchige Tat bezogen.