Müde kehrt ein Wanderer zurück

Müde kehrt ein Wanderer zurück
nach der Heimat, seiner Liebe Glück
Doch zuvor tritt er ins Gärtnerhaus
und kauft für sie noch einen Blumenstrauß

Und die Gärtnerin, so hold und schön
Tritt zu ihren Blumenbeeten hin
Und bei jedem Blümlein, das sie bricht,
Rollen Tränen ihr vom Angesicht

Warum weinst du, holde Gärtners Frau?
Weinst du um das Veilchen dunkelblau
Oder um die Rose, die dem Finger bricht? —
Nein, um diese Rose wein ich nicht.

Ich weine nur um den geliebten Freund
Er zog in die Welt so weit hinein
Dem ich Treu und Eid geschworen hab
Den ich, Gärtnerin, gebrochen hab

Warum hast du mir denn nicht getraut?
Deine Liebe auf den Sand gebaut?
Sieh den Ring, der mich tagtäglich mahnt
An die Treu, die du gebrochen hast

Nun so trifft mich Wandrer das Geschick
In der Heimat meiner Lieben Blick;
Drum so gib mir, holde Gärtnersfrau
Einen Blumenstrauß von Tränen betaut. —

Und mit diesem Sträußchen in der Hand
Will ich wandern durch das ganze Land
Bis der Tod mein müdes Auge bricht
Lebe wohl, leb wohl, vergiß mein nicht!“ —

Text: nach der Ballade „Die Heimkehr“ von Leberecht Dreves (1839)
Musik: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 672 „Wiedererkennen des einstigen Geliebten“)

Abweichungen im Text

Am Rhein (K. Becker Nr. 112) in einigen Worten anders. Im Spessart sang man:

Es kehrt ein Wandersmann zurück
nach der Heimat warf er seinen Blick
(lenkt er seinen Schritt).
Vergl, Frischbicr, Ostpreuß. Volkslieder 7.

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