Liedergeschichte: Die freie Republik

Zur Geschichte von "Die freie Republik": Parodien, Versionen und Variationen.

Durch die Julirevolution von 1830 in Frankreich erhielt die demokratische Bewegung in Deutschland wieder einen Aufschwung. In einigen deutschen Staaten kam es zu Volksbewegungen und zu konstitutionellen Zugeständnissen der Fürsten, besonders in Südwestdeutschland. Den Höhepunkt in der neuen demokratischen Bewegung, auch unter den Studenten, bildete das Hambacher Fest am 27. Mai 1832, auf das Metternich und der Bundestag mit neuen schärfsten Verfolgungen antworteten.

Es entstanden Geheimgesellschaften, die isoliert vom Volk tätig waren, ihre Kräfte stark überschätzten und daher von der putschistischen Taktik Erfolg hofften. Ein solcher Versuch war der Sturm der Frankfurter Wachen durch eine Stüdentengruppe am 3. April 1833. Der mit großem Mut unternommene Sturm war vorher verraten worden und wurde nach anfänglichem Erfolg — die beiden Polizeiwachen wurden erobert — von dem alarmierten regulären Militär niedergeschlagen. Etwa 20 Studenten wurden gefangen genommen.

Die gerichtliche Untersuchung zog sich lange hin. „Am 19. Oktober 1836 wurde den Angeklagten endlich das Urteil der Tübinger Rechtsfakultät eröffnet, demnach wurden 10 zu lebenslänglicher, einer zu 15-jähriger, einer zu 12jähriger und einer zu 6-monatlicher Zuchthausstrafe verurteilt“; 2 wurden freigesprochen. Während die Berufungsverhandlung vorbereitet wurde, konnten sechs der „am meisten Gravierten“ mit Hilfe eines Gefängniswärters entfliehen, am Abend des 10. Januar 1837, „wo sehr rauhes Wetter war“. (nach Steinitz II ,1962) Dieses Ereignis wird in dem weit verbreiteten Volkslied „In dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main“ besungen. Es ist auch unter dem Namen „Die freie Republik“ bekannt.

In dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main schon seit vielen Jahren sechs Studenten ein Die für die Freiheit fochten und für das Bürgerglück und für die Menschenrechte der freien Republik. Und der Kerkermeister sprach es täglich aus : „Sie, Herr Bürgermeister es reißt mir keiner aus!“ Aber doch sind …

In dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main (Die freie Republik) Weiterlesen »

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In dem Kerker waren zu Frankfurt an dem Main sind beinah vor Jahren viel Studenten drein weil sie gekämpft, die Braven für das höchste Glück gegen jene Sklaven für die Republik Man verwahrt sie dachte (!) die Edle, die man hat Sind jetzt noch die Achte welche man noch hat …

In dem Kerker waren zu Frankfurt an dem Main (1846) Weiterlesen »

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Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt an dem Main wohl mit gebundnen Händen saßen sie allein Sie saßen dort gefangen wohl sechs Wochen lang weil sie von Freiheit sangen durch die Stadt entlang Und der Kerkermeister spricht sich täglich aus „Mir, Herr Bürgermeister Mir rückt keiner aus!“ Jedoch sie sind …

Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt an dem Main (1854) Weiterlesen »

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Vor fünfundzwanzig Jahren zu Frankfurt an dem Main Da saßen sechs Studenten einst gefangen ein Sie saßen dort gefangen wohl sechs Wochen lang weil sie die Freiheit sangen durch die Straßen lang Raus, raus, raus, Revolution Vitrulala, vitrulalala Freiheit, Republik, ja ja Vitrulala, vitrulalala Freiheit, Republik Unser Bürgermeister läßt uns …

Vor fünfundzwanzig Jahren zu Frankfurt (Raus Revolution, 1858) Weiterlesen »

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Es saßen zwölf Studenten zu Frankfurt an dem Main Sie saßen wohl gefangen Wohl gefangen ein Sie saßen wohl gefangen Bereits sechs Wochen lang Weil sie von Freiheit sangen Wohl auf der Straß entlang Raus! Raus! Revolution! Wir wollen keine Knechte Sondern freie Männer sein. Ja, ja! Wir wollen keine …

Es saßen zwölf Studenten zu Frankfurt an dem Main (1909) Weiterlesen »

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Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt am Rhein (!) mit gebundnen Händen sechs Studenten drein sie saßen dort gefangen schon sechs Wochen lang weil sie der Freiheit sangen daß die Stadt erklang Der Kerkermeister selber klärt sich täglich aus: „Bei mir, Herr Bürgermeister reißt auch keiner aus!“ aber sie sind …

Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt am Rhein (1914) Weiterlesen »

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Und im Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main mit gebundnen Händen sechs Studenten drein Sie saßen dort gefangen wohl sechs Wochen lang weil sie von Freiheit sangen durch die Stadt entlang Und der Kerkermeister Sprach‘ sich täglich aus: „Sie, Herr Bürgermeister Mir reißt keiner aus“ Wohlan, sie sind verschwunden …

Und im Kerker saßen (1917) Weiterlesen »

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In dem dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main schon seit vielen Jahren sechs Studenten drein die für die Freiheit fochten und für das Bürgerglück und für die Menschenrechte der freien Republik Und der Kerkermeister sprach es täglich aus Sie, Herr Bürgermeister es reißt mir keiner aus: aber doch sind sie …

In dem dem Kerker saßen (1955) Weiterlesen »

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Wolfgang Steinitz lagen für den zweiten Band seiner demokratischen Lieder (1962) zwanzig Varianten des Liedes vor, von denen sechs erst nach 1950 aufgezeichnet wurden.

Er schreibt „In der Arbeiterbewegung ist dieses Lied — ebenso wie das Lied auf Robert Blum und andere Arbeiter-Volkslieder — lange Zeit nur in mündlicher Tradition weitergegeben worden. In Deutschland wird es erst in den 1920er Jahren in einige „nicht-offizielle“, aber unter Arbeitern weit verbreitete Liederbücher aufgenommen. Die Aufnahme einer sehr spezifischen Variante in ein in Budapest 1909 erschienenes Liederbuch ist, soweit mir bekannt, eine Ausnahme, die auf die Tradition in Deutschland keine Auswirkung hatte. —

Für die Lebensfähigkeit unseres Liedes in der Arbeiterbewegung zeugt auch, daß in Zusammenhang mit den revolutionären Kämpfen im Ruhrgebiet 1920 das alte Studentenlied zu einem neuen Lied umgesungen wurde: “ Es saßen sechs Kommunisten zu Essen in der Stadt “ Die mündliche Verbreitung unseres Liedes durch 100 Jahre hindurch zeigt sich in seiner starken Variationsbreite. Auf mündlicher Verbreitung beruht auch die überall gemeinsame Melodie. (in Steinitz II , 1962 , S. 89 f)

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