Gestern abend in der stillen Ruh

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Gestern abend in der stillen Ruh

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Gestern abend in der still, ja stillen Ruh
Hört´ ich einer Amsel in dem Wa-, ja Walde zu
Als ich so da saß
meiner ganz vergaß
kam mein Schatz und sprach
Jetzt hab ich dich
und kü ja küßte mich

Kam daher und schmeichelt
mir so scha schön
ließ so zärtlich seine Treuheit sehn
schmiegt sich an mich
drückt und küßte mich
schwur bei sein Lieb mir ganz allein
getreu zu sein

Ei du Schmeichler du
sprach ich unerschreckt
Wer hat dir mein Einsamkeit entdeckt?
In dem grünen Wald
ist mein Aufenthalt
allwo ich in meinem Sinn
gewesen ja wesen bin

So viel Laub als an der Linde ist
so vielmals hat mich mein Schatz geküßt
aber ich muß gestehn
´s hat niemand gesehn
nur die Amsel in dem Wald allein
könnt´ Zeuge sein

Text und Musik: Verfasser unbekannt

Mündlich, aus dem Hessen-Darmstädtischen. (Dreieiehenhain und Schlierbach im Rottgau) Vgl. F. D. Gräter, „Bragur“ (II. B. Leipzig, 1792,  S. 221)
Deutscher Liederhort (1856, Nr.  163 „Im Wald bei der Amsel“)
auch in: Deutsches Lautenlied (1914) – Württembergische Volkslieder (1929, Strophen 2 + 3 vertauscht)

Anmerkungen zu "Gestern abend in der stillen Ruh"

In einem flieg. Bl. aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wird dies Lied einer Schäferin in den Mund gelegt und lauten die beiden Schlußverse von Str. 1 also: „Kam Tiren und sprach: Nun hab ich dich, und küßte mich.“ Möglich, daß dasselbe seinem Ursprunge nach bis in die Zeit der Pegnitzschäfer reicht. – Vgl. L. Erk, Volksl. B. I, H. 3, S. 36, Nr. 41. (Der Kehrreim: „Denn die Freiheit nur allein soll mein Vergnügen sein.“ ist neuerer Zusatz.)

In Thüringen und in Schlesien wird dieses Lied nicht selten nach der Mel. „Mädel, ruck ruck ruck an meine grüne Seite!“ gesungen; daher die vielfachen Verunstaltungen der beiden Schlußverse jeder Strophe.

Vgl. das Lied Walthers von der Vogelweide: „Under der linden | an der heide“ etc. (Lachmann. 3. Aug. S. 39.)

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