Es ist gewiß und kein Gedicht

Ein Lied von bösen Frauen

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Es ist gewiß und kein Gedicht

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Es ist gewiß und kein Gedicht
was das Buch der Weisheit spricht
Man soll keiner Frauen trauen
und sein Glück auf Sand nicht bauen
’s ist gewiss und kein Gedicht
drum traut nur keiner Frauen nicht

Adam, der erste Vater mein
Stimmt mit allen überein
Da die Eva ihn verführte
Wo der ganze Fall herrührte
’s ist gewiss und kein Gedicht …

Frauen spotten immerdar
Wie die Sarah hat getan
Sie sind gut zum Disputieren
Und das Wort allein zu führen
’s ist gewiss und kein Gedicht …

Holofernes, wer hat dich
Umgebracht so jämmerlich?
’s kam von Judith, einer Frauen
Die den Kopf dir abgehauen
’s ist gewiss und kein Gedicht …

’s ist noch ein Exempel da
Von den Hauptmann Sissera
Dem der Nagel nicht durch Haaren
Sondern durch den Kopf gefahren
Drum ists gewiss und kein Gedicht
was der Mund der Weisheit spricht

in Deutscher Liederhort II (1897, Nr. 904)

Text und Melodie wie hier bei Nicolai. Almanach II, 1778, Nr. 24. Ebenso bei A. Harder, Altdeutsche Volkslieder mit ihren ursprünglichen Melodien für Pianoforte oder Guitarre bearbeitet. Lpz. 1809, I. Heft. Wieder so der Text in v. Hagen‘ s Handschriften (nach 1807), abgedruckt bei Erk I, 4, Nr. 12. Die Melodie daselbst hat Erk mündlich aus Nürnberg, von Erlanger Studenten gesungen. Ebenso bei Fink Nr. 87 und Härtel, Lexikon Nr. 702. Die neuere Fassung der Melodie lässt die Wiederholung in der Schlußzeile weg. —

Das Lied mag aus dem 17. Jahrhundert stammen, denn schon im Jahr 1737 kommt es mit anderer Melodie in „Tafelconfekt“ vor. Ein fliegendes Blatt um 1750 hatte Erk kopiert. Text bis auf wenige Worte überall gleich. Der Verfasser war bibelkundig, was auch die Laien jener Zeit oft waren.

 

Bedächtiglich. Mel. 1778.

Anmerkungen zu "Es ist gewiß und kein Gedicht"

Varianten:

  • 1, 4 Und sein Glück auf keine Sandbank Hauen (s. Hagen).
    Und kein Haus aufs andre bauen (Nic)
  • 1, 6 Drum traut doch …
  • 4, 5 die dir’n Kopf hätt abgehauen.

Abraham à Santa Clara in: Judas, der Erz-Schelm. II. Th.. Cölln 1690, S. 141 sagt: „Mit dem Stein hat David den Goliath, mit dem Nagel hat Johel den Sisera, mit dem Schwert hat Judith den Holofernes, mit der Lanzen hat Joab den Absalom überwunden, aber mit dem Namen Jesu überwinden wir den höllischen Feind.“ —

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