Als jüngstens Herr Mercurius (Friedrichs des Großen Einzug im Olymp)

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Als jüngstens Herr Mercurius (Friedrichs des Großen Einzug im Olymp)

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Als jüngstens Herr Mercurius
Im Himmel rapportierte
dass König Friedrich Maximus
noch immer hier regierte
sprach Zeus: Er hat genug getan
der Tod hol ihn von seiner Bahn
man gebe Thron und Krone
nun seines Bruders Sohne

Als nun der Tod die Ordre sah
Erbebte sein Gebeine
Er sprach zum Pluto Herr Papa
Ich geh nicht so alleine
Ja geht nicht Vater Ziethen mit
Ich geh wahrhaftig keinen Schritt
Das will gewiß viel sagen
An Friedrich sich zu wagen

Nun kriegte Ziethen den Befehl
Die Sache auszuführen
Auch mußte General von Scheel
Mit nach der Welt marschieren
Zeus sprach zu ihnen: Machts gescheit
Denn wenn ihr nun nicht glücklich seid
So dürft ihr hier drauf trauen
Den Himmel nie zu schauen

Held Ziethen strich sich seinen Bart
Und sprach in vollem Lachen
Fritz wird nun bald nach seiner Art
Ein Herbstmanöver machen
Wagt er sich nun aus Sanssouci
So können wir ihn ohne Müh
Statt zum Manöverieren
Zum Himmel transportieren

Es machten sich nun beide Herrn
Nach alter preuß’scher Weise
von aller Furcht und Zaudern fern
Geschwinde auf die Reise
Sie reisten nach der Unterwelt
Zu fangen Preußens tapfern Held
Und standen auf der Lauer
Hart an des Schlosses Mauer

So standen unsre Herren da
Dem König aufzupassen
Als eben Madam Podagra
in Etwas ihn verlassen
Er ahnte nichts von der Gefahr
Und weil just schönes Wetter war
So ließ er sich verleiten
Ein wenig auszureiten

Kaum aber war er vor dem Tor
So fiel ein dicker Nebel
Und gleich sprang Vater Ziethen vor
Mit blankgezognem Säbel
Dem Könge ward dabei nicht wohl
Er griff nach seinem Terzerol
Das war zu allem Schaden
Den Morgen nicht geladen

„Verzeihen Ihre Majestät!“
Sprach Scheel mit vielem Bücken
„Sie sehn wies hier nicht anders geht
Und werden sich drein schicken
Im Himmel ist es auch recht gut
Da fließt von keinem Säbel Blut
Da schweigen die Kanonen
Da ist vortrefflich wohnen

Auch können Ihro Majestät
im Himmel manövrieren
Bellona, die das Ding versteht
Hält viel vom Exerzieren
Ihr Name ist dort sehr bekannt
Denn an des Speisesaales Wand
Stehn alle Ihre Siege
Vom siebenjährigen Kriege“

Der König sprach: Ich seh es ein
ich muß mich drein ergeben
Die Sache kann nicht anders sein
Aus ists mit meinem Leben
Auf Erden hält mich nichts zurück
Ich machte meiner Völker Glück
Die Größe meiner Staaten
ist Zeuge meiner Taten

Mein Brudersohn hat nachstudiert
Schon manchen frühen Morgen
Wie man ein Königreich regiert
Drum leb ich ohne Sorgen
Ja er verdient den preuß’schen Thron
Von Kindheit an entdeckt ich schon
In jedem seiner Blicke
Er sei der Preußen Glücke

Der Tod verlas nun den Befehl
Und schüttelte die Sense
Des Pferdes Zügel fasste Scheel
Und Ziethen nahm die Trense
Schnel wie der Blitz nur fahren kann
Ging ihre Reise himmelan
Und unter ihnen ferne
Blieb Sonne Mond und Sterne

Am Himmel stand ein Grenadier
von Potsdam als Gefreiter
Der sprach zur Wach: Ich sehe hier
Von weitem einen Reiter
Mir scheints als ob es Friedrich wär
Er ist’s! Raus, Bursche ins Gewehr
ihr müßt rasch präsentieren
Das wird ihn recht scharmieren

Der König kam, der Offizier
Der Wache salutierte
Indes der Tambour nach Manier
Das Kalbfell wirbelnd rührte
Rasch ging es durch die Straßen durch
Bis nach des Donnergottes Burg
Hier saß man just beim Mahle
im großen Speisesaale

Der Marschall, der den Dienst versah
Ging hin ihn anzumelden
Welch froh Getümmel wurde da
Bei Göttern und bei Helden
Nektar, Ambrosia blieben stehn
Um Preußens Friederich zu sehn
Ihn freudig zu empfangen
war jedermanns Verlangen

Doch schwache Muse, schweige still
Zu kühn wird sonst dein Singen
Für deine Kräfte wirds zu viel
Um da hinein zu dringen
Was Zeus für Friederich beschloß
Denn sein Verdienst ist viel zu groß
Zu viel tat er auf Erden
Um je belohnt zu werden

Text und Musik: Verfasser unbekannt:

„Das Lied wurde 1813-15 von deutschen Kriegern gesungen, war vermutlich aber schon früher, bald nach dem Tode Friedrich’s II, 17. August 1786 entstanden. Ich hörte es 1847 in Thüringen einen alten Dorfschulzen singen. Hier nach handschriftlichen Liederbüchern und W. Irmer: Volkslieder, Neue Folge, 1842, Nr 59
(in Böhme; Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895)

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