Ein Veilchen auf der Wiese stand

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Ein Veilchen auf der Wiese stand

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Ein Veilchen auf der Wiese stand
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzig´s Veilchen!
Da kam ein´ junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Die Wiese her und sang

Ach! denkt das Veilchen, wär‘ ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen mattgedrückt,
Ach, nur ein Viertelstündchen lang!

Ach, aber ach, das Mädchen kam
Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
Es trat das arme Veilchen!
Es sank und starb und freut sich noch:
„Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, zu ihren Füßen doch!“

Johann Wolfgang Goethe (1773)
Musik: a) Johann Friedrich Reichardt (1783) — b) Johann André (1776) — c) bekannter die Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart (vor 1789)
Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1773)

Anmerkungen zu "Ein Veilchen auf der Wiese stand"

Der Text von Goethe zuerst gedruckt in Jacobi’s Iris (2 Bd S 182 März 1775). Dann eingelegt in die Operette „Erwin und Elmira“ (Weimar 1876) Als Entstehungejahr galt bisher 1775, aber aus einem Briefe vom 25 Januar 1773, den Lotte Jacobi an ihren Bruder J. G. Jacobi schrieb, geht hervor, dass sie damals schon das Lied in den Händen hatte. Mag die Jahreszahl 1773 ein Schreibfehler für 1774 sein, wie Düntzer (I 65) annimmt, da Goethe doch die Lotte Jacobi erst Ostern 1773 in Frankfurt kennen lernte und der Briefwechsel erst nach persönlicher Bekanntschaft stattfand, so darf man füglich die Entstehung des Liedes an das Ende 1773 setzen. Diese Annahme von R Hein (Archiv Lit.-Gesch. 9 232) ist um so wahrscheinlicher, da Goethe erwiesenermaßen seine Operette Erwin und Elmira im Winter 1773 begann, im Sommer 1774 fortsetzte und im Februar 1775 beendete.

Goethe’s Veilchen ist ein Gegenstück zu seinem Heidenröslein. Wie das Röslein von dem kecken verwegenen Knaben gebrochen wird, so wird das herzige Veilchen, das Bild der bescheidenen, unwandelbaren, treuen Liebe von der leichten Schrittes daherkommenden Schäferin niedergetreten, aber es freut sich doch wenigstens unter ihren Füßen sterben zu können.

Reichardt’s Melodie steht zuerst in „Berlinische Monatsschrift von Gedikes und Bieste“ (1783 I S 404), dann in J. Heinr. Egli’s „Musikalischer Blumenlese“ (Zürich 1798), auch im Mildheim. Liederbuch 1799; sie ist volkstümlich. Weltberühmt ist die herrliche Musik Mozart’s (1786) zu diesem Liede, weil er aber den Text durchkomponiert und halbdramatisch behandelt hat, gehört sie zum Koncertgesang aber nicht mehr zur volkstümlichen Lyrik.  Übrigens kann sie ohne Begleitung nicht vorgetragen werden, darum weglassen.

Erwin:

Ihr verblühet, süße Rosen
meine Liebe trug euch nicht
Blühet ach , dem Hoffnungslosen
dem der Gram die Seele bricht

Jener Tage denk ich trauernd
als ich, Engel, an dir hing
auf das erste Knöspchen lauernd
früh zu meinem Garten ging
Alle Blüten , alle Früchte
noch zu deinen Füßen trug
und vor deinem Angesichte
hoffnungsvoll die Seele schlug

Ihr verblühet, süße Rosen
meine Liebe trug euch nicht
Blühet ach , dem Hoffnungslosen
dem der Gram die Seele bricht

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