Ein Veilchen auf der Wiese stand


Ein Veilchen auf der Wiese stand
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzig´s Veilchen!
Da kam ein´ junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Die Wiese her und sang

Ach! denkt das Veilchen, wär‘ ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen mattgedrückt,
Ach, nur ein Viertelstündchen lang!

Ach, aber ach, das Mädchen kam
Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
Es trat das arme Veilchen!
Es sank und starb und freut sich noch:
„Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, zu ihren Füßen doch!“

Erwin:

Ihr verblühet, süße Rosen
meine Liebe trug euch nicht
Blühet ach , dem Hoffnungslosen
dem der Gram die Seele bricht

Jener Tage denk ich trauernd
als ich, Engel, an dir hing
auf das erste Knöspchen lauernd
früh zu meinem Garten ging
Alle Blüten , alle Früchte
noch zu deinen Füßen trug
und vor deinem Angesichte
hoffnungsvoll die Seele schlug

Ihr verblühet, süße Rosen
meine Liebe trug euch nicht
Blühet ach , dem Hoffnungslosen
dem der Gram die Seele bricht

Johann Wolfgang Goethe , 1775 (1749-1832)
Musik: Johann André (1776) , bekannter die Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart (vor 1789) , 1756-1791

 



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Liederthema: Liebeskummer
Liederzeit: (1776)
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