Die Kette drückt die kühne Hand


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Die Kette drückt die kühne Hand
mein Geist schwebt über Kerkers Wand
Ist bei der Mutter weit  von hier
und auch, treu Liebchen, auch bei dir

Als ich von Mannheim fortgewollt
nahmst du das Band von schwarz-rot-gold
hast mir damit die Brust geschmückt
und liebend mich ans Herz gedrückt

Was ich gewollt, hab ich vollbracht
den Schurken deckt des Grabes Nacht
O nenn´s nicht Bosheit, nicht Verrat
nicht Meuchelmord die kühne Tat

Sei still und weine nicht, treu Lieb
blick nicht so finster, nicht so trüb
sei stark, vertrau auf deinen Gott
obgleich ich gehe zum Schafott

Der große Gott im Himmelszelt
hat unserer Liebe Bund bestellt
Er trennt ihn nur für kurze Zeit
Dort schließt er ihn für Ewigkeit

Drum steig ich kühn zu dem Schafott
und schwing mich auf zum Freiheitsgott
Er hat beschlössen meinen Tod
Gepriesen sei Gott Zebaoth
Text und Musik: anonym – DVA A 150652 – „aus einem handschriftlichen Liederheft der Minna Ediger , Lieder aus dem Jahre 1883 , eingegangen beim Institut für Heimatforschung in Königsberg 1934″ (ehem. Ostpreuß. Arch.)
nach Steinitz II – Steinitz merkt dazu an, daß das Lied vermutlich kurz nach der Tat entstanden wäre. Es ist das einzige Lied zu Ludwig Sand mit einer Liebesgeschichte. Die zweite Strophe erinnert an das populäre Steh ich in finstrer Mitternacht von Wilhelm Hauff (1824 erstmals veröffentlicht, also vier Jahre nach dem Attentat.)


Liederthema: Freiheitslieder | Gefangenenlieder | Trauerlieder
(1883)
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Liedergeschichte: -