Brüder stellt das Jauchzen ein

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Brüder stellt das Jauchzen ein

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Brüder stellt das Jauchzen ein
weil die Fasten währet
und nunmehr der Beutel rein
wieder ausgeleeret
Bleibt zu Haus und schmauset nicht
bis ein froher Postbericht
euch wieder Geld bescheret

Seid ihr darum doch nicht hier
Dass ihr in drei Jahren
täglich müsst zu Wein und Bier
gehen oder fahren
Schreckt euch nicht der Unglücksstand
Derer die sonst hie zu land
Auch alle Tage waren

Wer nach Witz und Weisheit forscht
Muß bei jungen Tagen
Eh die Kraft zum Denken morscht
Sich darum befragen
Und so fleißig und so bald
Als die Morgenglocke schallt
Sich mit den Büchern tragen

Unsers Hierseins schnelle Flucht
Duldet keine Zügel
Drum nur in der Zeit gesucht
Denn die Zeit hat Flügel
Ruhm und Ehre sind der Lohn
Und die Hoffnung schützt so schon
An unsere Glückes Riegel

Seid inzwischen auch vergnügt
Aber wie die Alten
Und in allem wie sich’s fügt
Laßt den Himmel walten
Ist man nur nicht täglich faul
So darf endlich auch das Maul
Nicht immer Fasten halten

Trinkt ein Krüglein braunes Bier
Trinkt den Saft der Rebe
Diesen dass er euch Begier
jenes Kühlung gebe
Nur nicht gar zu viel getan
Setzt ihr dann das Gläschen an
So sprecht „Mein Schätzlein lebe!“

Text: Verfasser unbekannt
Musik: Komponist unbekannt. Auf diese Moll-Melodie wurde im 18. Jahrhundert noch Gaudeaumus Igitur gesungen. Vermutlich Parallel zur Dur-Melodie, eventuell aber auch anstatt.
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1688 C)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1736)
Schlagwort: |

Anmerkungen zu "Brüder stellt das Jauchzen ein"

Franz-Magnus Böhme zu diesem Lied (Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895, Nr. 554)

Aus einem 1769 geschriebenen weltlichen Liederbuche im Besitz von Curt Mündel in Straßburg. Schon 1736 mit einer Mollmelodie in Sperontes „Singende Muse 1 (Liederh III 491). Das Lied ist eine Umdichtung von Günthers Liede: „Brüder laßt uns lustig sein“, aber dem lehrhaften Texte klebt ein „Schulschmöcklein“ an Er ist nicht von, sondern für Studenten gemacht, vermutlich von Sperontes selbst, der oft kein Geld im Beutel hatte und nun freilich zuweilen fasten musste (vergl 1 Strophe oben)

Anmerkung von Böhme im Liederhort III (1894, Nr. 1688C:

Aus Günters Übersetzung von „Gaudeamus Igitur„: „Brüder laßt uns lustig sein“ von 1717 folgt, dass damals der lateinische Text des Gaudeamus bekannt war. Ein Zweifel bleibt aber darüber, ob damals auch die übliche Dur-Melodie schon vorhanden war. Denn auffallend ist, dass zu Günthers Text in einem Leipziger Drucke mit Noten (Speronte’s Singende Muse an der Pleisse. Leipzig 1736, Nr. 36) nicht die uns bekannte Gaudeamus-Melodie beisteht, sondern auf obige Mollweise verwiesen wird in derselben Sammlung Nr. 37

Man sieht, dass der Text hier nur eine Umbildung des Günther’schen Textes von 1717: „Brüder, laßt uns“ etc ist. Warum nicht die Durweise beigedruckt, bleibt unerklärt. Sollte sie, damals noch nicht vorhanden gewesen und wäre das Gaudeamus gar nach dieser Mollweise gesungen worden? Das ist schwerlich anzunehmen. Sie hatte sich wahrscheinlich nur durch mündliche Übsrlieferung aus älterer Zeit forterhalten, bis sie 1788 zum erstenmal auftaucht.

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