Traurig tönt das Abendglöcklein

Soldatenlieder | | 2011
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Traurig tönt das Abendglöcklein
die Natur senkt sich zur Ruh
Vöglein singen Schlummerlieder
Sonne sinkt dem Westen zu

Drinnen in dem Lazarette
bei der Lampe Dämmerschein
ruhen tapfere deutsche Krieger
die im Kampf verwundet sein


Dort an einem Sterbebette
ist noch eine Nonne wach
betet für den armen Kranken
der die Worte sterbend sprach:


„Grüßt mir meine liebe Mutter
sagt, ihr Sohn sei schwer verwund´t
eine Kugel hab ihn troffen
in der allerletzten Stund!“


Dann neigt er sein Haupt zur Seite
und sein Aug im Tode bricht
seine Seele flieht von hinnen
gehet ein zum e´wgen Licht


Horch! Was klopfet an die Pforte?
Ein alt´s Mütterlein tritt ein
„Liegt hier nicht mein Sohn verwundet?
Möchte gern ihm Pfleg´rin sein“


„Arme Mutter“ sprach die Nonne
„Euer Sohn er lebt nicht mehr
Eben hat er ausgelitten
seine Wunden war´n zu schwer


Beide Füße abgeschossen
und dazu die rechte Hand
als so tapfer er gestritten
in der Schlacht für´s Vaterland“


Und die Mutter tritt ans Bette
hebt das Leichentuch herab
„Einen Schrei – dann sinkt sie nieder
und man gräbt für zwei ein Grab“

Text und Musik: anonym – ohne Angaben
in Gesellenfreud (1913 , Nr. 165 „Die Mutter im Lazarett“)


Eine Geschichte, wie und wo das Lied gesungen wurde, spielt am Bodensee Anfang der 1920er Jahre:
„Bei ihrer Geburt 1917 war Paula Kaiser ein „lediges Kind“. Ihren Vater hat sie nie gesehen. Um den dritten Geburtstag herum heiratete ihre Mutter wieder und schaffte so für ihre Tochter ein Martyrium, das diese ein Leben lang nicht vergessen sollte. Ein Stiefvater wie er im Buche steht, war von nun an der neue Haushaltsvorstand. Er schlug die kleine Pauline, war oft betrunken und verbrachte viel Zeit in der Wirtschaft. Von dort musste er dann geholt werden, wenn noch etwas vom Verdienst übrig bleiben sollte. Die Mutter nahm dann das kleine Mädchen mit, die vor dem Stammtisch stehend „Traurig tönt das Abendglöcklein.“ singen musste, bis dem Stiefvater die Tränen die Wange herunterliefen und er bereit war heimzugehen. “ ( in: Broschüre Frauen am Bodensee , 2001, S. 10f)

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