Wer wagts und will mich nehmen?

Volkslieder » Frauenlieder

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Wer wagts und will mich nehmen?
Ich bin jeden Tag bereit
In den Ehestand einzutreten,
Ich Hab nicht lang mehr Zeit.
Ewig ohne Mann zu sein,
Wär für mich eine Höllenpein.

Niemand braucht sich mein zu schämen,
Ich bin schön von Angesicht
Wer zum Weibe mich will nehmen,
Der betrügt sich wahrlich nicht.
Lunge und Leber sind noch frisch.
Ich bin munter wie ein Fisch.

Ich kann Complimente machen,
Wie ein Fräulein so genannt.
Ich kann auch Französisch lallen.
Habe schrecklich viel Verstand.
Und wenn man mich tanzen sieht.
Glaubt man ich wär aus Mastricht.

Ich kann mich auch selbst frisieren
Auf die allerschönste Art
Und auch meinen Mann barbieren
Dadurch wird viel Geld erspart
Wer es nur mit mir probiert
Wird gewiß nicht angeführt.

Ich kann nähen, ich kann stricken
Weiß, wie man die Nadel faßt
Bin gelehrt in allen Stücken
Was zu einer Wirtschaft paßt
Tätig bin ich Tag und Nacht
Und treib Alles mit Bedacht.

Bei dem lieben Hochzeitsfeste
Soll es gehn recht lustig zu:
Wir essen, trinken, haben viel
Und ein Jeder spielt dazu.
An dem zweiten Tag darauf
Ziehen wir nach Koblenz auf.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Zurmühlcn Nr. 136, vom Niederrhein (Viersen)
in Deutscher Liederhort (1893, Nr. 853 „Selbst-Empfehlung der heiratslustigen Mädchen“)

Liederthema: ,
(1890)

Region: ,

Anmerkungen zu "Wer wagts und will mich nehmen?"

Ähnlichcs spricht ein Tanzreim aus Holstein (Müllenhoff 489) aus.

En lütje Deeren bin ik
Fien Gaern spinn ik
Kann knütten (stricken), kann neien
Kann Sülverdraet dreien (drehen).

Ein Elsässer Volksreim (Stöber Nr. 202) heißt:

Sebbeli, widd mi?
E nädd Maidele bin i!
Kann buche, kann backe
Kann allerhand Sache.

Kann stricke, kann näte
Kanns Rädel rum dräie
Sebbele, midd mi?
E braevs Maidele bin i!

Sebbeli = Seppel (Joseph), willst du mich?
buche = Lauchwäsche machen
backe = bachen, backen.

In Flotow’s Oper „Martha“ singen die Mädchen auf dem Sklavenmarkte ähnlich: „Ich kann flicken, ich kann stricken, nadeln, fädeln“ ….

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