Wer singet im Walde so heimlich allein

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Wer singet im Walde so heimlich allein

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Wer singet im Walde so heimlich allein?
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
Und die Kirchenglocken, sie läuten darein.
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh´ dich nimmermeh!

Herr Ulrich kam aus dem Krieg, und er sang,
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
Und er sang, dass der Wald und das Feld erklang:
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Dein hab‘ ich gedacht in Kampf und Not
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
vom Morgen früh bis zum Abendrot.
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Ich hab‘ dich geliebet so lange Zeit,
O du liebe, liebe Seel‘, o mein einziges Kind, – o weh!
und ich liebe dich heut‘ und in Ewigkeit.
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Ihr Träger, lasset die Bahre stehn!
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
ich muss noch einmal mein Liebchen sehn.
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Und als er erhub den Deckel vom Sarg,
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
und den Kranz, der Annelis Angesicht barg –
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Herr Ulrich auch kein Wörtlein sprach,
O du liebe, liebe Seel
o mein einziges Kind, – o weh!
vor sehnendem Leid sein Herze brach.
Und das Scheiden und das Meiden
und wie tut es doch so weh!
Ade, ade, ade! ich seh‘ dich nimmermeh!

Text und Musik: Heinrich August Hoffmann von Fallersleben (1823)
in Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895

Anmerkungen zu "Wer singet im Walde so heimlich allein"

Der Dichter hat hier mit Geschick und Glück durch altgermanische Art den Kehrreim zur Unterbrechung der Verszeilen eingeschoben. Kein Wunder, dass ihm die Dänen die Erfindung des Textes absprechen. Die verarbeitete poetische Idee, das Wiedersehen der Geliebten im Sarge bei der Heimkehr des Gatten, und dessen Tod bei ihrem Anblick, ist keine von Hoffmann erfundene, sondern in alten deutschen Balladen und von Uhland „Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein“ schon gebrachte. Man vergleiche denselben Inhalt in der Ballade „Ritter und Maid“ (Es spielte ein Ritter mit einer Magd, Liederhort I Nr 110)

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