Was wird es doch des Wunders noch

Was wird es doch des Wunders noch

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Was wird es doch des Wunders noch
so gar ein seltsams Leben
All jetzund ist all Welt voll List
mit Untreu ganz umgeben
Gut Wort, arg Tück
viel Grüß, bös Blick
ist jetzt der Sitt auf Erden
günnt keiner mehr dem andern Ehr
was will daraus noch werden

Wills Glück zu eim, so günnet mans keim
Man stellt ihm ein für d‘ Lucken
Der richt ihn aus nur nach der Pauß
Redt ihm nichts Guts zu Rucken
Verlauft ihm d‘ Weg, all Steig und Steg
Kein ander Brauch auf Erden
Ist jetzund mehr, dann nur: ja Herr
Was will noch daraus werden?

Noch werden die zu Zeiten ie
Mit Untreu selbs geschlagen
Wer nit anficht, was ihm geschicht
Und will von andern sagen
Als dem und jem, weiß nit von wem
Ist ietzund gmein auf Erden
Ein solcher Lauf: Nun schau man auf!
Was will noch daraus werden?

Text und Musik: Verfasser unbekannt (um 1530)
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1678 „Klage über Zeitläufte um 1530“)

Liederthema: ,
Liederzeit: (1539)



Anmerkungen zu "Was wird es doch des Wunders noch"

Text nach Forster I. 1S39, Nr. 24 (und Ausgabe 1552). Bicinia II. Vitebergae 1545. Nr. 95. — Abweichend und verderbt im Frankfurter, Erfurter und Ambraser Liederbuch. In Vannius, Bicinia. Bern 1553, Nr. 3 mit schweizerischem Dialekt untermischt, ohne 3. Strophe und anderer Melodie. Nach der Berliner Papierhandschrift in 4° Nr. 659 bei WK. II. 1309, fast wörtlich übereinstimmend. Geistliche Parodie bei Triller 1555: „Was hilft es doch, daß man so hoch mit Fleisches Kunst her pranget?“ …

Melodie schon 1534 zu einem geistlichen Liede von Joachim Aberlin angeführt. Melodie zu historischen Liedern gebraucht (s. Liliencron, Nachtrag S. 89).

Worterklärung:

  • 2, 3 Man stellt ihn vor die Lücke ein, wie man sagt: vor den Riß (die Bresche) stellen, läßt ihn in Gefahr für sich einstehen
  • 2, 4 ausrichten, übel abfertigen, ausschelten (Grimm, Wörterbuch I. 938)
  • 2, 5 nach der Pauß, in Fülle, reichlich (Grimm 1197).
  • 2, 6 zu Rucken, hinter dem Rücken
  • 3, 1 ie, immer
  • 3, 5 jem, jenem, zusammengezogen wie eim aus einem. —
    Sinn von 3, 1—5: Die werden immer mit Untreu geschlagen, welche für eigne Gebrechen blind sind und Andere verleumden.