Und hundert Tage und noch vielmehr (Den Ausgesperrten)

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Und hundert Tage und noch vielmehr . . .
Der Herd ist kalt und die Lade leer.
Am Fest der Liebe kein Jubelton –
und die Friedensbotschaft ward Hohn, ward Hohn!
Schwer hängt der Himmel, wie Schiefer grau,
über den Dächern von Crimmitschau

Und Tausende harren, trotzig und stumm,
– Feinde oben und Feinde ringsum! –
Und weint ein zitterndes Kind nach Brot,
so leiden sie dreifach des Krieges Not.
Mit eherner Stirne, wie Mann so Frau,
stehen die Helden von Crimmitschau.

Sie kämpfen nicht mordend mit Pulver und Stahl
sie geben ihr Herzblut in Hunger und Qual
sie tragen die Fahne im heiligsten Krieg –
und die Ehre der Menschheit bedeutet ihr Sieg!
Der wandelt in blühende Frühlingsau
die feiernden Säle in Crimmitschau.

Wir aber, ihr Braven, wie grimm das Gesicht
der Zukunft euch drohe, wir lassen euch nicht!
Wir stützen die Hand euch im harten Gefecht –
laut pochen die Pulse für Freiheit und Recht.
Millionen mit euch! – Und wie die Sonne im Blau
leuchtet die Weihnacht von Crimmitschau!

Text: Clara Müller auf den Streik der Crimmitschauer Textilarbeiter 1903/1904

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Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: „Flamme Empor“ ist ein Lied, das der Pfarrer Johann Heinrich Christian Nonne am 18. Oktober 1814, dem Jahrestag der „Völkerschlacht bei Leipzig“ auf die Melodie des etwa 20 Jahre älteren  “Feinde ringsum” schrieb. Das Lied beschwört die Wachfeuer am Rheinufer, die nach dem Sieg gegen die Truppen Napoleons gegen den „Erbfeind“ Frankreich gerichtet waren. Das Lied wurde später immer für Neu-Textungen und Parodien verwendet. Flamme empor hatte als Vorlage  das Lied “Feinde ringsum!“ von Carl Gottlob Cramer, dessen Text er 1791  in dem Roman  „Hermann von Nordenschild, genannt Unstern“ veröffentlichte. Das... weiter lesen