Seeräuber und Kameraden (Störtebeker-Lied)


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Seeräuber und Kameraden
Wenn meine Augen richtig sind
Hat die Bark voraus auch Fässer geladen
Auf, ihr Hurenboys! An die Brassen
Royal hoch
Alle Lappen noch härter an den Wind
Denn die Hunde wittern Blut
Denn sie segeln gut
Das muß der Teufel ihnen lassen

Hei! Holt die hollandsche nieder
Und hißt die Flagge rot – rot – rot!
Und singt recht schweinische Lieder
Vielleicht ist einer von uns morgen tot
Denn sie haben eine Kanone an Bord
Und ein halbes Dutzend Soldaten
Mit Blei und mit Dünnschiß geladen
Wir aber sind kühne Piraten
Und fürchten nicht Tod noch Mord
Wir sind weder fromm – aber frei

Was mag in dem Schiffe wohl sonst noch sein?
Kakerlaken oder Seife oder Gold oder Wein? –
Nun signalisiert: »Dreht bei!«
Und ich, euer Kaptain, rufe: Enterhaken klar!
Und kämmt den Krämern das ölige Haar
Nur merkt euch
Die Leute alle über dreißig Jahr
Sollen leben bleiben, Leben bleiben
Nun hofft, wie es kommt
Und glaubt, wie es war
Und fragt nicht, wie lang wir’s noch treiben

Liebe mit mir verfluchte Halunken
Was soll denn mit den
Unter dreißig geschehn?
Die machen wir mit Braunteer betrunken
Aber wer uns gefällt
Weil er’s ehrlich mit uns hält
Dem sei das Leben geschunken
Den andern aber sagen wir: Amerika ist nah
Und knüpfen sie sauber an die Obermarsrah

Old sailors! Likedelers!
Kommt selber und schaut
Sie haben ein Weibstück an Bord. Unsre Braut
Sie soll leben! Unsre Braut sie soll leben!
Und ich werde sie weitergeben
Bis zuletzt sie der Schiffsjunge nimmt
Der soll dann mit Eisenstücken
Und Ankerketten sie schmücken
Und sehen, wie weit sie damit schwimmt

Text: Joachim Ringelnatz


Liederthema: Lieder zur See | Raub-Mord-Totschlag
Liederzeit: (1930)
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