Die Sage von Klaus Störtebeker und Gödeke Michels


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Doch die Hamburger sind auch nicht müssig gewesen während der Zeit, sie begannen am andern Morgen den Kampf, der drei Tage gedauert haben soll; jedenfalls erst nach langer verzweifelter Gegenwehr Störtebekers und seiner Genossen, die ihr Leben teuer verkauften, da sie das ihnen bevorstehende Loos wohl kannten, neigte sich der vollständige Sieg auf die Seite der Hamburger.

Die bunte Kuh unter Simon von Utrecht verrichtete Wunder der Tapferkeit, sie rannte gegen das erste Piratenschiff so kräftig an, daß dessen Vorderkastell zerborst. Das Nähere von Simons und der übrigen Hamburger Taten ist uns nicht aufgezeichnet, nur der glorreiche Erfolg des Seetreffens. Ein Teil der Feinde entfloh bei Zeiten; viele der Piraten waren erschlagen oder ins Meer geworfen worden, ihre Schiffe mit ihren reichen Ladungen an Tuch, Wachs, Baumwolle etc. erbeutet, und als höchster Siegespreis dürfte die Gefangennehmung des unverwundbaren Störtebeker gelten, der mit einem Unterbefehlshaber Wichmann und 70 Gemeinen in die Hände der Hamburger fiel.

In Hamburg machte man kraft des vom Kaiser verliehenen Blutbannes über Seeräuber kurzen Prozeß mit den Gefangenen. Störtebeker saß in einem Keller des Rathauses, der, so lange derselbe gestanden hat, Störtebekers Loch genannt worden ist. Die Sage erzählt, als man ihm sein Todesurteil verkündet, habe er nicht gern daran gemocht, sondern er habe für sein Leben und seine Freiheit dem Rat eine goldene Kette, so lang, daß man den ganzen Dom, ja die Stadt damit umschließen könne, angeboten; die wolle er aus seinen vergrabenen Schätzen herbeischaffen. Der Rath aber hat dieses Anerbieten mit Entrüstung zurückgewiesen.

Schon am folgenden Tage fand die Hinrichtung auf dem Grasbrook statt. Das Volkslied über Störtebeker sagt, daß diese 72 wilden Gesellen, die ihrer Bitte gemäß im besten Gewande so stattlich und mannhaft hinter Trommlern und Pfeifern in den Tod geschritten seien, von den Weibern und Jungfrauen Hamburgs sehr beklagt worden wären. Der Scharfrichter Rosenfeld enthauptete sie und steckte ihre Köpfe auf Pfähle hart am Elbstrande.

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Liederthema: Sagen
(1850)
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