Die Sage von Klaus Störtebeker und Gödeke Michels


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Im Jahre 1400 nun ließen die Hansen eine Flotte nach Ostfriesland gehen, um dem Unwesen zu steuern. Die Hamburger Schiffe befehligten die Ratsherren Albert Schreye und Johann Nanne. Sie besiegten die dort liegenden Vitalienbrüder, erschlugen viele Raubgesellen und übten Standrecht an den Gefangenen. Dann eroberten sie Stadt und Burg Emden und legten hansische Besatzung hinein. Auch Keno ten Broke mußte seine Burg zu Aurich abtreten, weil er’s gegen frühere Zusage doch wieder mit Störtebeker gehalten hatte, und mußte dann nach Lübeck gehen, um sich beim Hansatage zu entschuldigen.

Als nun aber die beiden Hamburgischen Rathsherren so eben den neuen Friedensvertrag mit Keno abgeschlossen und die Halle verlassen hatten, ist Störtebeker aus seinem Versteck hereingetreten und hat sich mit dem alten Keno über die Hamburger Herren lustig gemacht, die sich wieder von ihnen anführen ließen. Indem ist aber Herr Nanne, der seine Handschuhe vergessen hatte, unversehens in die Halle zurückgekehrt und hat die neue Verräterei bemerkt und deshalb ist auch alsbald der Krieg wieder ausgebrochen.

In der Tat hat auch noch in demselben Jahre die hansische Flotte einen neuen Sieg über die Vitalienbrüder erfochten, wobei ihrer 80 geblieben, 30 aber gefangen und in Hamburg am Grasbrook enthauptet worden sind. Der Nachrichter hat 8 Schillinge für jeden Kopf erhalten, sein Knecht aber 20 Schillinge für das Einscharren der Leiber. Die Köpfe wurden auf Pfähle gesteckt.

Eben so gewiß ist es, daß 1401 wiederum die Hamburgischen Schiffe unter den Rathsherren Nicolas Schocke und Hinrich Jennefeld den Seeräubern in der Weser eine Niederlage beigebracht und 73 Gefangene gemacht haben, welche (so viele ihrer nicht unterwegs an ihren Wunden gestorben sind) ebenfalls am Grasbrook enthauptet worden sind. Aber so lange Störtebeker und Gödeke Michels am Leben waren, durfte man im Kampfe nicht nachlassen.

Darum wurde 1402 aufs Neue eine Hamburgische Flotte ausgerüstet unter dem Oberbefehl der eben genannten Rathsherren. Das Hauptschiff hieß die bunte Kuh, oder wie’s in einem alten Volksliede hieß, die durch das Meer brausende bunte Kuh aus Flandern mit den starken Hörnern. Dies Schiff befehligte der Eigentümer desselben, ein junger Kriegsheld, der sich unsterblichen Ruhm bei den Hamburgern erworben hat, Simon von Utrecht.

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Liederthema: Sagen
(1850)
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