O Freda

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O Freda über Freda!
Ihr Nuppern, kummt und hiert,
Wås mir durt uf der Heida
Für Wunderding passiert!
Es quåm a wêßer Engel
Bei hucher Mitternacht,
Der sung mer a Gesängel,
Dåß mir dås Herze lacht.

A soite: „Frêt euch ålla,
Dar Heland îs geborn
Zu Bethlahem im Stalle,
Dås hat a sich erkorn.
Die Krippa îs sei Betta,
Giht hin uf Bethlahem!“
Und wie ar alsu redta,
Då flug a wieder hêm.

Ich ducht: „Du mußt nich säuma“,
Ich ließ die Schäfla stihn.
Ich lief durt hinter a Zäunla
Bis zu dem Stalle hin.
Ich wer a halb Gewenda
Dervon, då quåm a Strål,
Dar hatte går ke Enda
Und wies mich ei dan Stål.

Dar Stål wår a Geniste
Und hätte går ken Årt,
Derzu ôch dås Gerüste
Wår herzlich schlecht verwåhrt.
Dås Dach wår grausam dünne
Und hing am halben Hår.
Ich ducht: „Es denn då drinne
Gleiwul a Kindl geborn?“

Ich schlech mich uf de Seite,
Ich guckt e klên wing nei:
Då såh ich a pår Leute
Und ôch das Kind derbei.
Es hått ke Ploitzla Bette,
A ênzig Wischla Struh,
Und lag wul asu nette:
Ke Maler träfs asu.

Es hätte a pår Wengla,
Als wenns zwe Rösla wär’n,
A Guschla wie a Engla,
Zwe Ögla wie zwe Stern,
A Köpfla wie a Täubla,
Gekroiselt wie dar Klie,
A hübsches quanschlichs Leibla,
Viel wêßer als dar Schnie.

Die Mutter kniet dernaba,
Der hå ichs ångesahn.
Sie hätts bei ihrem Labe
Nie üm wer wêß was gân.
Bald nahm sie’s ei de Hände,
Bald lät sie’s wieder hin,
Sie thäte mit dam Kende
Och går unsäglich schün.

Und derba uf der Sete
Då kniet a lieber Mån,
A nêgt sich mit dem Hete
Und batt dås Kindla ån.
A küßt’s all Ogenblicka.
Dås taurt die ganze Nacht;
Ar håt’s ei enem Stücka
Ôch immer ångelacht.

Ich glåb, uf ünser Granze
Då håts ke sulch schön Kind;
Es låg ei lauter Glanze,
Ma wurd schier dervo blind.
Ich ducht ei menem Sinna:
„Dås Kindla stünd der å,
Wenn du der’s könnst gewinna,
Du wagst a Lamla drå!“

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1945 „Weihnachtslied“)
aus der Gegend von Oppeln (Schlesien) 1840

Dieses Lied, bei Hoffmann, Schlesische Volkslieder Nr. 278 mitgeteilt, gehört wohl noch ins Ende des 17. Jahrhunderts, ist ursprünglich in einer Mundart abgefaßt, wird aber heutigen Tages in allen gesungen und scheint sehr verbreitet zu sein. Hoffmann nennt seinen Text nach Vollständigkeit und mundartlicher Reinheit den besten und gewiß der ursprünglichen Fassung am nächsten stehenden.

Gedruckt ist dieses Lied nach einem fliegenden Blatt von 1753 in Büsching’s Wöchentlichen Nachrichten 1, 36, hin und wieder verdorben. — Sehr unvollständig bei Meinert S. 269 (Abdr. Mittler 420). Aus Breslauer Gegend in Radlofs Mustersaal 1. 212, aus der Goldberger bei Erk l, S. S6, und aus der Grüneberger im Neuen Breslauer Erzähler 1812, S. 346; aus dem Freiwaldauer Amte bei Ens, das Oppaland 3, S. 95, wo noch eine Schlußstrophe zugefügt ist.

Liederthema:
Liederzeit: (1840)

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