Am Weihnachtsabend in der Still

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Am Weihnachtsabend in der Still

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Am Weihnachtsabend in der Still
Ein tiefer Schlaf mich überfiel
Mit Freuden ganz begossen
Mein Herz empfing viel Süßigkeit
Vor Honig und vor Rosen

Mir träumte wie ein Engel käm
Und brächte mich gen Bethlehem
Ins Judenland getragen
Ein Wunderding sich da begab
Hör zu, dies lass dir sagen

In einen Stall ging ich hinein
Darin ein Ochs und Eselein
Ihr Heu beim Kripplein aßen
Ein alter Mann, ein Jungfrau zart
Bei ihnen kläglich saßen

Ein Kindelein so nackt und bloß
Saß in der edeln Jungfrau Schoß
Das glänzte gleich der Sonnen
Seine Äuglein flossen immerzu
Wie zwei lebendge Bronnen

Dies Kindlein war der große Gott
Der uns Bedrängten hilft aus Not
Der alle Tiere kleidet
Die ganze Welt schützt und erhält
Uns Allen Heil bescheidet

Die zarten Füß und Händelein
Erzitterten vor großer Pein
Die scharfe Kält ihn brannte
Sein Antlitz wandt er hin und her
Ob ihn die Welt erkannte

In arme schlechte Windelein
Die Jungfrau wand das Kindelein
Legt’s in die Kripp mit Neigen
Dies ist der Thron, da Salomon
Seine Weisheit wollt erzeigen

Das Öchslein und das Eselein
Erkannten Gott den Herren fein
Die Knie sah man sie biegen
Die Kripp sie räumten willig ein
Dem Kind zu einer Wiegen

Bewegte sie des Kindes Flehn
Dass sie den Atem ließen wehn
Den Leib ihm zu erwarmen?
Da alle Menschenhülfe fern
Muss sich das Vieh erbarmen

O Liebe, wohl hast du Gewalt
Du hast in menschlicher Gestalt
Vom Himmel Gott gezogen
Dass er in unserm Fleisch und Blut
Mariens Brust gesogen

Der aller Himmel hat Gewalt
Lag in verwaisten Kinds Gestalt
Von aller Welt verlassen
Seiner Demut war nicht End und Ziel
Sein Leid groß ob der Maßen

Dem Cherubim und Seraphim
Lobsingen stets mit heller Stimm
Vor dem die Welt sich neiget
Dem gewaltigen Gott Sabaoth
Wird hier nicht Ehr erzeiget

Die Propheten all erflehten das
Der Heiland sollt als Laub und Gras
Uns aus der Erde grünen
Maria das Wurzgärtlein war
Und Jesus war die Blüte

Nun ist die heilge Schrift erfüllt
Der uns des Vaters Zürnen stillt
Ist in die Welt geboren
Zu einem Saal den armen Stall
Hat er sich auserkoren

Beim Kripplein kniet‘ ein armer Mann
Das schöne Kindlein fleht‘ er an
Und küsst‘ ihm seine Füße
O Sünder, komm du auch herbei
Und deine Sünden büße

Der sonst mit Blitz und Donnerschlag
Mit Schwefel, Pech und großer Plag
Die Sünder pflegt zu strafen
Der ist ein armes Kindelein
Hat weder Wehr noch Waffen

Er kann jetzt nicht mehr schlagen drein
Die Händlein sind ihm viel zu klein
Die Kraft ist ihm geschwunden
Der gewaltge Leu ist jetzt ein Lamm
Kann Niemand mehr verwunden

Drum lauft, ihr Sünder, allzumal
Kommt eilends her in diesen Stall
Hier könnt ihr Gnad erlangen
Eur Richter liegt gebunden hier
Ihr mögt ihn selber fangen

Schäm dich du böse schnöde Welt
Die ihre Lüste büßt mit Geld
In Sammet und in Seiden
Sieh an das zarte Kindelein
Was es für dich will leiden

Hört weiter an was ich euch sag
Die Nacht ward Licht als wär es Tag
Viel Engel hört man singen
Weil sie den Hirten auf dem Feld
Eine neue Botschaft bringen

Drei arme Hirten in der Nacht
Bei ihren Schafen hielten Wacht
Bei Bethlehem gar nahe
Sie erschraken alle drei gar sehr
Als sie den Engel sahen

Mit großem Glanz und Sonnenstrahl
Das Feld erleuchtet allzumal
Dazu in Wolken Singen
Mit Harfen und mit Lautenklang
Die Lüfte rings erklingen

Der Engel sprach: Ihr Hirten gut
Entsetzt euch nicht, seit wohlgemut
Ich will euch Freude künden
Bei Groß und Klein soll Freude sein
Bei allen Menschenkindern

Zu Bethlehem in Davids Stadt
Ist euch geboren nächten spat
Den die Propheten preisen
Drum macht euch auf und sucht das Kind
Den Weg will ich euch weisen

Wahrzeichen lasst euch dieses sein
Gewickelt liegts in Windelein
Die Kripp ist ihm zur Wiegen
Dabei ein Esel und ein Rind
Sich vor dem Schöpfer biegen

Als das den Hirten wurde kund
Entschlossen sah man sie zur Stund
Gen Bethlehem zu reisen
Sie wollten gern das Kindlein schaun
Ihm Lieb und Ehr erweisen

Ein Hirt zu den Gesellen sprach
Eilt nicht zu sehr in dieser Sach
Ich will euch Eins erst sagen
Lasst uns dem lieben Kindelein
Ein Angebinde tragen

Der andre sprach: Ich hab ein Lamm
Vor wenig Tagen ichs bekam
Ich brings des Kindleins Mutter
Bring du dem Öchslein Heu und Streu
Und Er dem Eslein Futter

Sie zogen hin in schneller Eil
Und reisten schier ein halbe Meil
Bis sie das Kripplein fanden
Maria gab dem Kindlein Mus
Und Joseph hielt die Pfanne

Sie kamen in den Stall hinein
Joseph hieß sie willkommen sein
Bot ihnen Zucht und Ehre
Sie zeigten Gottes Wunder an
Die Mutter freut‘ es sehre

Sie fielen nieder auf die Erd
Anbetend vor dem Heiland wert
Vor Freud sie mussten weinen
Sie brachten ihre Gaben dar
Wiewohl sie waren kleine

Darauf sie kehrten wieder um
Brachten das Evangelium
Zuerst den Judenlanden
Doch war noch Niemand weit und breit
Bei dem sie Glauben fanden

Hiemit bin ich vom Schlaf erwacht
Wollt Gott, der Traum käm alle Nacht
Bis sieben wollt ich liegen
Dass ich die Knie nach Herzenslust
Vor dem Kindlein möchte biegen

Freut euch, ihr Christen allgemein
Und lobt das werte Kindelein
Mit Freuden sollt ihrs grüßen
Und kehrt es bei euch selber ein
Wollt ihm das Herz erschließen

O mein herzliebstes Jesulein
Lass mich allzeit dein eigen sein
Und deine Huld erwerben
Von deinem Kripplein komm ich nicht
Im Leben noch im Sterben

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Der Text bei Werlin: 1640 und Karl Simrock: Deutsche Weihnachtslieder (1859)
Die Melodie in Deutscher Liederhort II 1893, Nr. 256)

Diese Melodie steht ohne Text mit der Überschrift „Linden Schmid Thon“ Handschriftlich eingetragen in einem Druck des Liedes „Ach Karle großmechtiger man“ (1546). Germ. Museum. Mitgeteilt von Liliencron, Nachtrag S. 69. Ich gebe sie rhythmisch ähnlich wie von Liliencron. Ob sie wirklich der vielfach zitierte Lindenschmidston ? sei bleibt sehr zweifelhaft. Da diese Weise sonst im 16. Jahrhundert nicht wieder vorkommt, auch das Wiederholen der Schlußsilben ihr fehlt, möchte man sie kaum für den üblichen Lindenschmidston halten. Der späte Schreiber könnte sich doch wohl auch geirrt haben oder man müsste für die zwei Lindenschmidsliedcr auch zwei Singweisen gehabt haben. Diese Melodie war im 17. Jahrhundert noch gekannt: Werlin in seiner Handschrift um 1640 S. 1589 bringt sie zu dem Texte ..Am Weihnachtsabend in der Still“. (Böhme, im Liederhort II)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1640)

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