Nun höret von mir Allamode monsieur

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Nun höret von mir:
Allamode monsieur
Hat hinter ihm gelassen
In allen Gassen
Nach seinem Absterben
Allomodische Erben.

Die tragen mit Mute
So breite Hüte,
Welcher schier tat klecken
Ein Stadel zu decken,
Hüteschnür in Differents
Viel geschickt gebens

Sein auch Federn darauf
So ein großer Haus
Damit man ein Bette
Könnt füllen gar kecke
Soll man dann nit lachen
Der läppischen Sachen?

Dann aber ihre Wohnung
Zu steter Ermahnung
Der vorgewesnen Sitten
Ist leider zerschnitten
Die Nisse und Läuse
Die stechen und beißen

Wohl unter der Nasen
Sicht man allermaßen
Zween hübsche Knebelbärte
Nach allmodischer Arte
Die gleichen Mausschwänzen
Darzu Maler – Bämsel

Patient Centparte
ist zugespitzt zarte.
Der ficht gar viel gleicher
Eim Metzcher – Streicher
Oder auch einem Pfriemen
Hangt gar nach der Schieme (Larve).

Sie tun auch tragen
Schier ellen-lange Kragen
Gleich den Schandwampen
Tun ihnen rab schlampen
Im Haar tragens auch Zöpfle
Stultissime Köpfe

Ring tragens an Fingern
Die fein gar schön schimmern.
Wenn mans bei Licht besähe
ists Messing und Stahel
Die Tätzel (Manschetten) geschmogen
Gehn bis an Ellnbogen.

Lang Wammes zerpletzet
Zerlumpt, zerfetzet
Zerhackt, zerschmettert
Wie ein Fenstergätter
Lang genästelte Hosen
Voll schwäbische Franzosen

Sie hängen aufs Milze
Wie ander Rülze
vor ihnen herab
Kein Schanz dörfens wagen
Ihren rostigen Degen
Damit die Stein fegen

Ein Kind könnt’s schier jagen
von acht und neun Jahren
Die g’waltigen Hasen
Auch über die maßen
Sie wispeln und pfeifen
Gleich wie die Landläufer

Hosenbänder voran
Reputation
An die Schenkel sie binden
Dreimal um die Füß rum winden
Spitz Habens daran
Schier zwo Spannen lang

Die Strumpf tun ihnen plodern
Wie Blätter und Loden
Schuh Habens auch an,
Hoch Stöckle daran.
Drauf klimpelns und knappen
Wie ein Narr in der Kappen

Groß Rosen sie haben
Gleich wie ein Kuhfladen
Auch in ihren schön Schuhen
Tu einer nur lugen
Machen einem vielzuschaffen
Die allomodischen Affen

Auch etliche Fantasten
Tragen Stiefel der maßen
So lang und auch breite
Wie Schiff- und Floßleute,
Wie Fuhrleut und Bauren
Die püfflische Lauren

Resonante Sporn
Die klingen in Ohrn
An Stiefel sie machen
Soll mans nit auslachen
Die allmodisch Reiter?
So nur Stecken-Reiter.

Was müssens die Sporn
Die närrisch Narrn?
Derweil sie nit haben
Weder Roß noch Wagen
Ihr Kleid ist nur eitel
Kein Geld im Beutel

Tragen Stecklein wie die Schinder
Und wie die kleinen Kinder
Zum Teil wie sie es gwiß haben
Den Hund aus dem Weg schlagen
Oder reiten darauf zum letzten
Ihre Sporen zu wetzen.

Lang Knüttel wie die Wachter
Oder Mäntel ungeschlachte
Voll großer Knöpfe
Wie schier die Schafsköpfe
Mit Schnüren verbrämt
O allamodisch Gesind

Ihr Gang und Geberd
Stultissime Wert
Sie tun daher kneten
Als wollten sie treten
Die Erden mit Wunder
Schlag’n die Mäntel auch unter

Wann ich alls wollt b’schreiben
Was Hoffart sie treiben.
Müßt ich haben bei Zeite
Neunzig Ochsenhäute
Papier auch darbei
Zwei Rieß oder drei

Ich will gleich aufhören
Kein Strafen noch Lehren
Kein Singen noch Sagen
Kein Weinen noch Klagen
Gibt ihnen zu schaffen
Was will ich drauß machen?

Gott wird sie schon strafen
Er wird sie auch schaffen
Die stolzen Gesellen
Zum Teufel in die Höllen
Da müssen sie bleiben
In Ewigkeit leiden

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 309)

Fl. Bl. 8° 4 Bll.: „Ein Newes Allomodisches Lied so vor nie im Truck außgangen. . . . . In seiner eignen Melode<. 1631. (ohne Ort, vermutlich in Süddeutschland gedruckt.) Nathusius Sammlung. Abschrift des Originals in Erks Nachlaß. (Hier von der verwilderten Orthographie gereinigt.) Verf. vermutlich ein Geistlicher. (Böhme)

Liederthema:
Liederzeit: (1631)
Schlagwort: |

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