Bremer Stadtmusikanten

Mutter wozu hast du (Der Graben)

Mutter, wozu hast Du Deinen aufgezogen
Hast Dich zwanzig Jahr um ihn gequält?
Wozu ist er Dir in Deinen Arm geflogen
Und Du hast ihm leise was erzählt?
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Mutter, für den Graben

Junge, kannst Du noch an Vater denken?
Vater nahm Dich oft auf seinen Arm
Und er wollt Dir einen Groschen schenken
spielte mit Dir Räuber und Gendarm
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Junge, für den Graben

Drüben die französischen Genossen
lagen dicht bei Englands Arbeitsmann
Alle haben sie ihr Blut vergossen
und zerschossen ruht heut Mann bei Mann
Alte Leute, Männer, mancher Knabe
in dem einen großen Massengrabe.

Seid nicht stolz auf Orden und Geklunker
Seid nicht stolz auf Narben und die Zeit
In die Gräben schickten euch die Junker
Staatswahn und der Fabrikantenneid
Ihr wart gut genug zum Fraß für Raben
für das Grab, Kameraden, für den Graben

Werft die Fahnen fort
Die Militärkapellen
spielen auf zu euerm Todestanz
Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen
das ist dann der Dank des Vaterlands

Denkt an Todesröcheln und Gestöhne
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne
schuften schwer, wie ihr, ums bißchen Leben
Wollt ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
übern Graben, Leute, übern Graben

Text: Kurt Tucholsky, 1926
Musik: Hanns Eisler, 1959

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Liederthema: Lieder gegen den Krieg
Liederzeit: (1926)
Schlagwort: | |


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