Mein Herr Maler wollt er wohl (Familiengemälde)

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Mein Herr Maler wollt er wohl (Familiengemälde)

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Mein Herr Maler! wollt er wohl
All uns konterfeien?
Mich, den reichen Bauern Grohl
Und mein Weib in Treuen?
Jochen, unsern ältsten Sohn
Unsre Töchter kennt Er schon
Greten, Urseln, Stinen
Haben hübsche Mienen

Mal er erst das ganze Dorf
Und die Kirche drinnen
Michel führt ein Fuder Torf
Viele Weiber spinnen
Hart am Kirchhof liegt das Haus
Wo wir gehen ein und aus
Drauf steht Renovatum
Nebst dem Jahr und Datum

In der Kirch muß Sonntag sein,
Wir kommunizieren.
Draußen pflügt mein Sohn am Rain
Mit viel starken Stieren
Wie am Werktag mal ers da
Und in voller Arbeit ja
Meine Töchter alle
Okkupiert im Stalle

Mal er mir wie Hans das Heu
Auf den Heustall bringet
Und „Wach auf mein Herz !“dabei
Brummend vor sich singet
Auf dem Feld versteht er wohl
Muß mein Sohn studieren
Wie viel ich am Scheffel voll
könnte profitieren

Mal er mir wie ich vorm Schlaf
Nehme eine Brise
Und mal er, dass ich auch brav
Hinterdrein noch nieße
In dem Stalle, hört er es
Wiehert mein Kroater
Meiner Frau fällt unterdess
Von dem Schoss der Kater

Bunte Farben lieb ich traun,
Sonderlich das Rote
Mach er mich ein wenig braun,
Doch nicht gar von Kote
Meinem Weib, vergeß ers nicht
Mach ein kreideweiß Gesicht
Unsern dreien Rangen
Kirschenrote Wangen

Spar er ja die Farben nicht
Handhoch aufgetragen!
Da er jetzt zween Taler kriegt
Hat er nichts zu klagen
Auch die Tafel wird ja klein.
Nur zwölf Schuh breit soll sie sein
Bald hätt ich’s vergessen
Er kann bei uns essen

Text: Balthasar Anton Dunker (1782)
Musik: Komponist unbekannt

„Dunker ,ein vielfach schriftstellerisch tätiger Maler und Kupferstecher , war 1746 in Stralsund geboren und starb 1807 in Bern . “ Der Text erschien zuerst 1782 und ist „später von andern mehrfach umgedichtet und verlängert worden.“ (in Als der Großvater die Großmutter nahm, 1885)

Anmerkungen zu "Mein Herr Maler wollt er wohl (Familiengemälde)"

in: Volkstümliche Lieder der Deutschen, (1895):
Lied von Balthasar Anton Dunker, 1782, Maler in Bern. Zuerst gedruckt im I. T. der Schriften von (folgt Schattenbild, B. A. Dunker darstellend) Bern, 1782, S. 75 . Ursprünglich hatte das Lied nur 5 Strophen (Abdruck des Originals bei Erk II 2, 50) Die 4. und 5. Strophe sind späterer Zusatz, den Erk schon in einer Handschrift von 1810 fand. Melpdoe in den von Martin Usteri herausgegebenen „Künstle-Lieder“, Basel, 1809. Sie mag wohl vom musikalischen Maler selbst herrühren, denn in der Widmung des Buches (1782) an Asmus (d. i. Claudius) sagt Dunker: „Herzlich freut es mich, dass er auch Musik kann und singt. Ich singe und spiele auch ein wenig, kenn auch die Noten ….“

Abweichungen, die das Original aufweist:

  • 1 3 Bauer Grohl
  • 1 4 mein Weib in Treuen
  • 1 5 unsern ältsten Sohn
  • 1 6 unsre Tochter
  • 1 7 Stinen Christinen
  • 1 8 haben hübsche Mienen
  • 3 8 occupirt im Stalle
  • 4 und 5 Str fehlen
  • 6 4 doch nicht gar von Rothe
  • 6 7 unsern dreien Rangen
  • 7 5 Auch die Tafel wird ja klein
  • 7 6 nur zwölf Schuh breit soll sie sein

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