Volkserotik und Pflanzenwelt von A - Z

37 Lieder - Volkserotik und Pflanzenwelt

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Felberbaum

Den Felberbaum, die Silberweide, unterschied das deutsche Volk in althochdeutscher und mittelalterlicher Zeit genau von den übrigen Weiden. Im Gegensatz zur Weide gab der Felberbaum vielerlei sexuelle und erotische Mittel. Der Absud der Felberblüte galt als Schönheitsmittel, macht schöne Haare, schöne Haut. Der Saft aus den Rinden, während’ die Weiden noch blühen, in die Augen getropft, macht diese klar, das Antlitz damit

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Ficken

Das vulgäre Wort „ficken” von Feige abzuleiten, wie einige Sprachforscher behaupten, geht nicht an. Es wird wohl mit fegen = hin und herfahren und reiben in Verbindung zu bringen sein. Dies ist um so wahrscheinlicher, als „fegen” selbst in diesem obscönen Sinne gebraucht wird. — Das Wort „ficken” wird in den letzten vier Jahrhunderten sicher in dem Sinne = coire

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Himbeere

Die Frucht der Himbeere fordert zum Vergleich mit der weiblichen Brustwarze heraus, so wohl wegen ihrer Gestalt und wegen ihres warzigen Aussehens als auch wegen ihrer rötlichen Färbung. — Im Volke hörte ich noch jetzt von „Himbeerwarzen” sprechen. So wird in der Tat eine kriechende Himbeerart (Rubus chamaemorus) wegen ihrer blaßroten Frucht „Tetinbeere” genannt. „Tetin” ist die Brustwarze. Vgl. Münchhausen:

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Hollunder

Der Hollunder, einer der wenigen einheimischen Bäume, die eßbare Früchte trugen, hat uralte Kultbeziehungen. Er war der Holla oder Freya, der kinderspendenden Göttin, heilig. So wird er in Verbindung mit der Geburt wie auch mit dem Tod, mit der Unterwelt gebracht. Nur vereinzelt liefert der Holder die Lebensgerte, Vielleicht in jenem Brauche Westfalens: am Lichtmeßtage tanzen die Weiber im Freien

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Kastanie

Die Kastanie kam vermutlich mit den übrigen Fruchtbäumen (Apfel, Birnen) in den Zeiten nach den Völkerwanderungen in unser Vaterland. Sie war in Griechenland ursprünglich einheimisch, erinnerte in ihrer Pracht und Schönheit an die Eiche, mit der sie denselben Namen Karya teilte. Die Frucht besserer Sorten galt im Mittelalter als Aphrodisiacum. Mattioli berichtet (73 D): Gebratene Kastanien mit Pfeffer und Salz

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Kirsche

Die Kirsche war den Griechen unbekannt. Lucullus soll sie als erster, nachdem er Mithridates besiegt, nach Italien verpflanzt haben. Bereits vor der althochdeutschen Sprachperiode (VII. Jhdt.) ist das Wort ins Deutsche entlehnt (Kluge). Die Kirsche wanderte hauptsächlich wohl aus dein Südwesten (Elsaß, Baden) ein. Der Oberrhein gehört noch heute zu den reichsten Kirschenländern (Wimmer 282). Aber in der alten Volkserotik

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Kornelkirsche

Die hochroten, über ein Zoll langen Steinfrüchte des Kornelkirschen- oder Herlitzenbaumes wurden in älterer Zeit mit Hahnenhoden verglichen (Nemnich). Sonst spielt die Pflanze in der Volkserotik keine Rolle. in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)

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Lärche

Der deutsche Name ist eine uralte Entlehnung aus dem lat. larix (Lerche). Der Baum stand beim Gebirgsvolk in hohen Ehren, in der Volksmedizin liefert er Mittel gegen fressende Schäden, Schwindsucht, sein Harz reinigt den Leib, verschönt die Haut. Die Lärche gilt als Kinderbaum, so in Tirol und in Bayern. 1855 wurde die uralte heilige Lärche auf einer Wiese bei Nauders (Tirol), zuletzt

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Lebensrute

Die erste ursprüngliche Gestaltung des Brauchs mit der Lebensrute zu schlagen ist diese: Frauen und weibliches Hausvieh (vor allem Kühe und Stuten) wurden zu bestimmten Jahreszeiten mit einer grünen Rute oder Gerte (Lebensrute) gewisser Bäume geschlagen oder gepeitscht, um fruchtbar zu werden. Was sah der Naturmensch in diesem Symbol? Für ihn war die Gerte, die Lebensrute das Zeugungsglied des Baumdämons,

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Linde

Die Linde wird wie die Buche in der germanischen Volkserotik eine höhere Stellung eingenommen haben, als es jetzt ersichtlich ist. Wie die Buche bezog sie sich wohl auf eine weibliche (gebärende) Gottheit, vielleicht auf Freya (Holda). — Als befruchtender Vegetationsdämon, als Maibaum, mag sie im frühen Mittelalter eine größere Rolle gespielt haben. Denn man kann mit Mannhardt (Baumkultus S. 188)

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