Liederlexikon: Linde

| 1908

Die Linde wird wie die Buche in der germanischen Volkserotik eine höhere Stellung eingenommen haben, als es jetzt ersichtlich ist. Wie die Buche bezog sie sich wohl auf eine weibliche (gebärende) Gottheit, vielleicht auf Freya (Holda). — Als befruchtender Vegetationsdämon, als Maibaum, mag sie im frühen Mittelalter eine größere Rolle gespielt haben. Denn man kann mit Mannhardt (Baumkultus S. 188) annehmen, daß die vielen Dorf- und Burglinden bleibender Ersatz für die jährlich wechselnden Dorfmaibäume waren.

Nur reine, jungfräuliche Mädchen durften den Vortanz um die Dorflinde halten. Hatte eine Tänzerin die jungfräuliche Ehre verloren, verunehrte sie den heiligen Lebensdämon, die Linde mußte „gescheuert“, d. h. der Rasen um sie aufgegraben werden.

Als Mädchenmaie wird die Linde im Bergischen benutzt: eine schöne, mit goldenen und bunten Eiern geschmückte Linde wird von den Burschen vor die Türe den Mädchen gesetzt.

Auch kosmetische Mittel liefert die Linde. Mattioli berichtet: das Wasser von Lindenblumen brauchen die Weiber zum Austreiben der Flecken im Angesicht, wiewohl zudem der Saft viel zuträglicher ist (56. C.). Noch heute gilt Lindenblüte vielfach als Schönheitsmittel für Frauen und Mädchen.

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)


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