Liederlexikon: Felberbaum

| 1908

Den Felberbaum, die Silberweide, unterschied das deutsche Volk in althochdeutscher und mittelalterlicher Zeit genau von den übrigen Weiden. Im Gegensatz zur Weide gab der Felberbaum vielerlei sexuelle und erotische Mittel. Der Absud der Felberblüte galt als Schönheitsmittel, macht schöne Haare, schöne Haut. Der Saft aus den Rinden, während‘ die Weiden noch blühen, in die Augen getropft, macht diese klar, das Antlitz damit bestrichen schön (Mattioli). Ferner hilft man sich gegen das Nestelknüpfen (wenn die Lederbänder der Manneshose heimlich während der Trauung geknüpft sind), indem man durch die hohle Röhre des Felberbaums harnt, alsdann kann die eheliche Pflicht vollzogen werden. Felberblütensamen galt als aktives und passives Mittel gegen Fruchtbarkeit (Höfler). Mattioli (65. C.) sagt: die Blätter mit kaltem Wasser getrunken wehren, daß die Weiber nicht schwanger werden. Und ferner heißt es: die Blätter gesotten und getrunken vertreiben Lust und Neigung zur Unkeuschheit.

Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)

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